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Blinder Fleck Open Source: Software-Studie unter Beschuss

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Die "Analyse und Evaluation der Softwareentwicklung in Deutschland" – eine 249 Seiten starke Untersuchung für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) – gerät unter Beschuss, "da ganze Bereiche der deutschen Softwarelandschaft mit keinem Wort erwähnt werden", wie der LinuxTag e.V. moniert. "Der Text schweigt sich über Open Source und Freie Software völlig aus", kritisiert Sprecher Oliver Zendel. Der LinuxTag e.V. ist eine Interessengemeinschaft zum Informationsaustausch über Open-Source-Software und Veranstalter des jährlich stattfindenden Linux-Tages.

Verwundert zeigt sich der Verein auch über die Forderung der Studie nach Know-how-Schutz durch Software-Patente. Die Autoren der BMBF-Studie hatten das damit begründet, dass fehlende Schutzrechte zur Geheimniskrämerei führten und darunter die Zusammenarbeit mit Software-Unternehmen und die Schaffung von Branchenstandards litten. Dem hält Zendel unter anderem eine Studie der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät des MIT entgegen, derzufolge sich Software-Patente hemmend auf die Investitionstätigkeit amerikanischer Unternehmen ausgewirkt hätten. Auch einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums könne man entnehmen, daß das gegenwärtige Patentsystem überholt sei. "Softwarepatente benachteiligen vor allem kleine und mittlere Unternehmen, für die ein Patentschutz einfach zu teuer ist", meint Zendel.

Das BMBF hatte die Bestandsaufnahme zur Softwareentwicklung in Deutschland bei der GfK Marktforschung GmbH (GfK) und den Fraunhofer-Instituten für Experimentelles Software-Engineering (IESE) sowie für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Auftrag gegeben. Wie einer der Autoren, Michael Friedewald vom ISI, auf Anfrage von heise online erklärte, sei mit der Studie kein totales Bild der Softwarelandschaft beabsichtigt gewesen. Der Schwerpunkt lag auf der Softwaretechnik, also den Methoden und Werkzeugen der Software-Entwicklung. "Wir hatten den Eindruck, dass in großen Teilen der Industrie Open-Source-Software noch kein praktisch relevantes Thema ist."

"Das Thema ist nicht unter den Tisch gefallen“, betont auch Professor Dieter Rombach, Direktor des IESE und einer der Co-Autoren der Studie. "Es ist in dem Begriff 'komponentenorientierte Entwicklung' enthalten, denn die kann auch nach dem Open-Source-Modell erfolgen." Rombach selbst sieht Open-Source-Software als eine Herausforderung für die kleinen und mittelständischen Firmen an und vertritt diese Position, wie er erklärte, auch gegenüber dem BMBF. (Richard Sietmann) / (Richard Sietmann) / (prak)

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