Bluetooth-SIG setzt auf Breitbandfunk

Die Bluetooth Special Interest Group strebt eine Zusammenarbeit mit UWB-Entwicklern an, um superschnellen Bluetooth-Funk zu entwickeln.

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Die Bluetooth Special Interest Group hat erstmals offiziell verkündet, mit UWB-Entwicklern zusammenarbeiten zu wollen, um den etablierten Bluetooth-Funk mit dem superschnellen Ultra Wideband zu kombinieren. Bisher äußerten die Bluetooth-Macher ihre Zuneigung zum Breitbandfunk lediglich hinter vorgehaltener Hand.

Mike Foley, Executive Director der Bluetooth-SIG, die 3400 Industrieunternehmen zu ihren Mitgliedern zählt, sieht die Vorteile auf beiden Seiten. Die Kombination der zwei Nahfunker würde neue Highspeed-Anwendungen hervorbringen und dabei die aktuelle Fragmentierung der Funkgerätelandschaft mindern. Hauptziel sei eine Architektur, die die Vorteile des Gigabit-schnellen UWB ausschöpft und zugleich eine Plattform für aktuelle und künftige Geräte liefert, die die hohen Geschwindigkeiten nicht benötigen. Die traditionellen Bluetooth-Stärken wie geringer Energieverbrauch, niedrige Kosten und Ad-hoc-Konnektivität sollen erhalten bleiben. UWB werde im Gegenzug von der starken Marktstellung und der technischen und organisatorischen Infrastruktur der Bluetooth-SIG profitieren und so die Marktreife schneller erreichen, erklärte Foley.

Dass es wohl nicht ganz so einfach wird, wie die optimistischen Worte zunächst vermuten lassen, verschweigt Foley nicht. "Wir sind uns dessen bewusst, dass dabei Herausforderungen zu meistern sind". Inkompatible UWB-Techniken, eine noch fehlende globale UWB-Regulierung, UWB-Unverträglichkeiten mit anderen Funk-Anwendungen, Fragen der Interoperabilität und Testprotokolle -- die Bluetooth-SIG sieht etliche Hürden vor sich, die überwiegend UWB mitbringt. Angesichts weiter zunehmender Nachfrage nach immer höheren Übertragungsraten und den davongeeilten WLAN-Spezifikationen, die bald Datenraten jenseits von 100 MBit/s bescheren werden, sieht der Schritt wie die Flucht nach vorn aus. Denn selbst die jüngste Bluetooth-Spezifikation 2.0 + EDR, die eine Verdreifachung der Geschwindigkeit gegenüber Bluetooth 1.1 brachte, erscheint mit maximal 2,2 MBit/s gegen WLAN langsam, dient sich aber wie WLAN unter anderem auch als Träger für Multimedia-Anwendungen wie Audio- und Video-Übertragungen an.

So soll nun die angestrebte Hochzeit mit UWB dem Vernehmen nach nicht nur die zahlreichen SIG-Mitglieder bei der Stange halten, sondern auch die 250 Millionen Bluetooth-Konsumenten. Denen verspricht die Bluetooth-SIG eine Kompatibilität zu den kommenden Highspeed-Geräten. Freilich werden diese Bluetooth-UWB-Funker dann nicht im Gigabit-Modus mit ihren Vorgängern sprechen, sondern auf originäre, deutlich langsamere Verfahren zurückschalten müssen. Wie die Annäherung von Bluetooth und UWB im Detail aussehen wird, soll in den nächsten Monaten allerdings erst erarbeitet werden.

Man kann mutmaßen, dass die Applikationsschichten ab dem Host Controller Interface aufwärts weitgehend unverändert bleiben werden, damit die Kompatiblität zwischen aktuellen und kommenden Bluetooth-Geräten gewährleistet wird. Dann wären Bluetooth-UWB-Geräte vorstellbar, die vorhandene Bluetooth-Profile nutzen, etwa für Highspeed-LAN-Verbindungen, für die Stereo-Audio- oder die Video-Übertragung. Zusätzlich zum aktuellen Physical Layer, der netto maximal 2,2 MBit/s befördert, hätten die Bluetooth-UWB-Geräte einen alternativen Layer auf UWB-Grundlage. Der käme zum Beispiel Scannern, Digitalkameras, DVD-Playern und anderen Multimediaprodukten zugute; Bluetooth böte selbst für die drahtlose Übertragung hochauflösender Videos etwa von einem DVD-Player zu einem Display genügend Kapazität. (dz)