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Bluetooth bekommt Mesh-Netzwerk: Konkurrenz um die Vernetzung wird schärfer

Die Bluetooth Special Interest Group (SIG) präsentiert in den USA gerade die Mesh-Netzwerk-Erweiterung für ihr Funkprotokoll. Damit nimmt Bluetooth den Kampf gegen etablierte Automationsprotokolle wie ZigBee und Z-Wave auf.

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Bluetooth um Mesh-Netzwerk erweitert: Der Kampf um

(Bild: Bluetooth SIG)

Rund 2,5 Jahre nach der ersten Ankündigung erweitert die Bluetooth Special Interest Group (SIG) am heutigen Dienstagabend deutscher Zeit in den USA ihr Funkprotokoll offiziell um eine Mesh-Netzwerk-Spezifikation. heise online hatte Gelegenheit, vorab mit dem Marketing-VP der Gruppe Ken Kolderup über Bluetooth Mesh zu sprechen.

Das Mesh Network ergänzt den Low-Energy-Teil des Bluetooth-Protokolls, bei dem es darum geht, kurze Datenpakete möglichst energiesparend zu übertragen. Bluetooth LE kannte bislang Point-To-Point-Verbindungen, etwa zwischen Sportuhren und Smartphones zum Datentransfer, und Broadcast-Verbindungen zur Nutzung kleiner Funkfeuer (Beacons), beispielsweise für Lokalisierungsdienste.

Mit dem Mesh-Netzwerk-Protokoll soll Bluetooth LE nun auch in den Bereichen Gebäudeautomation, Sensor-Netzwerke (beispielsweise bei der industriellen Fertigung) und Nachverfolgung von Gütern eine Hausnummer werden. Bei einem vermaschten Netz sind alle Knoten untereinander verbunden, wodurch die Reichweite erhöht wird und blockierte Verbindungsstücke umgangen werden. In diesem Punkt waren ältere Automationsstandards wie ZigBee und Z-Wave bislang Bluetooth voraus.

Aufholen will die SIG diesen Vorsprung unter anderem mit einem Mesh-Netzwerk, das ab der Spezifkation 1.0 Industrieanforderungen genügt – und zwar sowohl hinsichtlich der Sicherheit als auch der Robustheit der Datenübertragung und der Skalierbarkeit. So wurden laut Kolderup bei der Entwicklung sämtliche denkbaren Angriffszenarien – wie Man-in-the-Middle-, Replay- oder Brute-Force-Attacken – berücksichtigt. Mit der Möglichkeit, bis zu 32.000 Knoten anzusprechen, lasse Bluetooth Mesh die Konkurrenzsysteme zudem weit hinter sich.

Beide Aussagen zeigen aber auch, dass die SIG seit den ersten Ankündigungen vom Smart Home als vorrangiges Einsatzgebiet ein wenig abgerückt ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass Bluetooth Mesh nicht auch im Smart Home verwendet werden soll. Immerhin liegt eine Stärke von Bluetooth Mesh in der Möglichkeit, Smartphones und Tablets direkt in das Ökosystem einzubinden – indem diese entweder Befehle durch das Netzwerk senden oder selbst ein Teil des Netzwerks werden. Schon länger gibt es die Überlegung, ältere Mobilgeräte künftig als Internet-Gateways für das Bluetooth-Mesh-Netzwerk einzusetzen. Wie bei Z-Wave und ZigBee gilt übrigens auch bei Bluetooth Mash, dass lediglich netzstrombetriebene Komponenten als Repeater dienen können.

Schließlich betont die SIG die herstellerübergreifende Interoperabilität zwischen den kommenden Mesh-fähigen Bluetooth-Geräten. So habe die Gruppe in den vergangenen zwei Jahren bereits 15 Events veranstaltet, auf denen rund 1300 Einsatzszenarien mit Produkten und Plattformen verschiedener Hersteller durchgetestet worden seien. Vor allem aber sei es laut Kolderup entscheidend, dass die Testabläufe zur Prüfung der Interoperabilität ebenfalls spezifiziert worden seien.

Im Gespräch mit heise online erklärte der Marketing-VP der SIG, dass es bereits zur oder kurz nach der Veröffentlichung der Spezifkation bereits konkrete Produktankündigungen geben wird. Ganz vorne mit dabei dürften Hersteller vernetzer Leuchtmittel sein, die sowohl im privaten als auch im industriellen Umfeld derzeit boomen. Zudem lassen sich Bluetooth Mesh und Broadcasting hier gut kombinieren, um beispielsweise in großen Gebäuden Leuchtmittel auch als Beacons für Lokalisierungsdienste zu nutzen.

Es dürfte auch kein Zufall sein, dass gerade erst das Direktorium der Bluetooth Special Interest Group um Repräsentanten von Google und Philips Lighting erweitert wurde.

Im Rahmen der ursprünglichen Ankündigung hatten mehrere Unternehmen in der zuständigen Arbeitsgruppe betont, dass sie an einer Mesh-Lösung arbeiten würden, die sich per Firmware-Update mit vorhandenen Bluetooth-LE-Geräten im Smart Home nutzen lassen. Laut Kolderup ist diese Nachrüstung tatsächlich theoretisch bei allen LE-Geräten möglich, die zumindest Bluetooth LE 4.0 unterstützen. Allerdings müssen die Entwickler der Geräte ein solches Update vorgesehen haben, damit für die Mesh-Funktionen ausreichend Speicher und Rechenleistung bereitstehen. Auf wie viele Produkte das letztlich zutrifft, wird sich zeigen müssen. (nij)