CES

Bluetooth erhält komplett neue Audio-Architektur

Die für die Weiterentwicklung von Bluetooth zuständige Special Interest Group (Bluetooth SIG) nutzte den Rahmen der CES, um "LE Audio" anzukündigen.

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(Bild: Nico Jurran)

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Die Bluetooth SIG hat auf der CES angekündigt, den Audio-Bereich ihres Funkprotokolls komplett umzukrempeln. So seien die mit dem neuen Set von Spezifikationen eingeführten Technologien nach Angaben der Gruppe so weitreichend, dass sie "die nächsten 20 Jahre Audio-Innovationen ermöglichen".

Allerdings sind die entsprechenden Spezifikationen bislang noch nicht fertig, sondern sollen im ersten Halbjahr 2020 veröffentlichen werden. Die SIG konzentrierte sich bei der Präsentation daher darauf, zu kommunizieren, worum es LE-Audio generell geht und welche Vorteile es gegenüber dem aktuellen Bluetooth-Audio hat, das künftig "Classic Audio" genannt werden soll.

Im Zentrum von LE Audio steht ein neuer Codec namens LC3, der unterschiedlichste Sampling- und Datenraten unterstützt und sich so auf die jeweiligen Einsatzgebiete besser anpassen lässt. Für den Nutzer springt laut SIG zudem eine bessere Audioqualität gegenüber dem Standard-Codec SBC heraus.

So sollen Hörtests ergeben haben, dass SBC bei maximaler (Stereo-)Datenrate von 345 kBit/s schon hörbar schlechter klingt als LC3 bei 160 kBit/s. Fraunhofer ermöglichte nach der Präsentation von LE Audio einen kleinen Hörtest, bei dem LC3 deutlich hörbar besser klang als SBC. Eine Vergleichsmöglichkeit mit dem proprietären Bluetooth-Audio-Codec aptX gab es vor Ort jedoch nicht. Auch diesem soll LC3 laut Fraunhofer aber überlegen sein.

Bei der Präsentation von LE Audio konnte man sich einen ersten Höreindruck vom neuen Codec LC3 anhand verschiedener Audiobeispiele verschaffen.

(Bild: Nico Jurran)

Sehr gut schneidet LC3 nach offiziellen Angaben auch hinsichtlich der Latenz ab. So soll sich diese auf Protokollebene gegenüber SBC von 100 auf 10 Millisekunden reduziert haben.

Aktuell wird bei Bluetooth ein Stereo-Audiosignal mittels Punkt-zu-Punkt-Verbindung übertragen. Um damit drahtlose Ohrhörer zu realisieren, schickt das Handy den Datenstrom oftmals zunächst nur an den rechten In-Ear, der den darin enthaltenen rechten Audiokanal selbst wiedergibt und den linken Kanal an den anderen In-Ear weiterleitet. Beim neuen Modus "LE Audio" würde ein Handy die Daten für den rechten und den linken Kanal hingegen getrennt an den jeweiligen In-Ear senden.

Da die Weiterleitung eines Audiokanals entfällt, lassen sich kleinere und stromsparendere Geräte entwickeln. Auch eine Sprachsteuerung soll sich leichter realisieren lassen, da Steuerbefehle und ein etwaiger Audiorückkanal (zur Sprachübertragung bei Headsets) getrennt von den Audiodaten übertragen werden. Diese Fähigkeiten erlauben es der SIG bei LE Audio auch erstmals, Bluetooth Audio für Hörgeräte zu spezifizieren.

Auch ein neuer Broadcast-Modus ist vorgesehen, in dem ein Sender Audiodatenströme an eine beliebige Anzahl von Empfängern überträgt. Genutzt werden soll dies sowohl im privaten als auch im öffentlichen Umfeld. In letzterem Fall wäre es beispielsweise möglich, an Flughäfen oder Fitnessstudios mit seinem eigenen Kopfhörer ganz einfach per Knopfdruck die Audiospur eines (ansonsten stumm laufenden) Fernsehers anzuhören.

Die SIG hat schon ein spezielles "Audio Sharing"-Logo kreiert, das später auf passenden Produkten und von entsprechend ausgestatteten Kinos genutzt werden soll.

(Bild: Bluetooth SIG)

Die SIG geht auch davon aus, dass die Technik künftig in Kinos anzutreffen sein wird. So könnten Zuschauer beliebige Sprachfassungen über Kopfhörer anhören. Nutzer mit einer Hörschwäche könnten sich wiederum den Kinoton direkt auf ihr Hörgerät streamen lassen. Die Bluetooth SIG sieht in diesem "Audio Sharing" einen ganz neuen Anwendungsfall für ihr Funkprotokoll.

Die SIG schätzt, dass erste Geräte mit LE Audio in ein bis zwei Jahren erhältlich sein werden. Laut der Gruppe wird es dann auch Geräte geben, die nur nach der neuen Spezifikation arbeiten – beispielsweise im Bereich der Hörgeräte. Typische Quellen wie Handys, Tablets oder Laptops werden aber üblicherweise auch weiterhin den "Classic Audio"-Modus beherrschen. (nij)