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Bluttest-Firma Theranos löst sich auf

Der einstige Star der US-Tech-Szene Theranos ist verglüht. Die Bluttest-Firma löst sich formal auf, will aber Gläubiger auszahlen.

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Bluttest-Firma Theranos löst sich auf

Die Firmenzentrale von Theranos in Palo Alto.

(Bild: Theranos )

Die durch Betrugsvorwürfe stark angeschlagene Bluttest-Firma Theranos löst sich formal auf. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf eine E-Mail, die Theranos-Chef David Taylor am Dienstag an seine Aktionäre verschickt hatte. Demnach sollen Gläubiger in den kommenden Monaten mit dem verbliebenen Bargeld des Unternehmens im Laufe des Liquidationsprozesses bezahlt werden.

Auslöser für den Auflösungsprozess war das Einfrieren des Firmenvermögens durch die US-amerikanische Investmentgesellschaft Fortress Investment Group. Fortress hatte Theranos 2017 einen Kredit über 65 Millionen US-Dollar eingeräumt. Die Darlehensbedingungen sahen vor, das Barvermögen einzufrieren, sobald es unter einen Schwellenwert gerate, berichtet das Wall Street Journal. Das sei jetzt geschehen.

In der dem Wallstreet Journal vorliegenden E-Mail teilte Taylor seinen Aktionären mit, eine Vereinbarung mit Fortress aushandeln zu wollen. Sie solle sicherstellen, dass rund 5 Millionen US-Dollar aus Patenten des Unternehmens an eine New Yorker Private Equity Gesellschaft fließen, um damit weitere Gläubiger auszahlen zu können. Bei der angestrebten Form der Liquidation könne es allerdings etwa sechs bis zwölf Monate dauern, bis die verblieben Barmittel für Zahlungen an die Gläubiger verwendet werden können.

Nach den Entlassungen im April hätten fast alle verbliebenen Mitarbeiter von Theranos am 31. August ihren letzten Arbeitstag gehabt. Jetzt würden nur noch Taylor und ein paar ihn unterstützende Mitarbeiter bei dem Unternehmen arbeiten.

Die Bluttest-Firma Theranos galt einst als erfolgsversprechendes Start-up der Tech-Szene im US-Gesundheitssektor. Zwischenzeitlich war das Unternehmen mit 9 Milliarden US-Dollar bewertet. Die Gründerin Elizabeth Holmes hatte versprochen, Bluttests mit einem Mini-Labor zu revolutionieren. Für Blutuntersuchungen sollte bereits ein Tropfen Blut ausreichen. Wie sich herausstellte, gab es aber keine solch revolutionäre Technologie. Holmes sah sich Betrugsvorwürfen ausgesetzt, in deren Verlauf sie sich mit der US-Börsenaufsicht einigte. Das Unternehmen steckt seitdem in einer großen Krise, denn Theranos-Chef David Taylor gelang es nicht, neue Investoren zu finden. (olb)