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Boeing 737 Max fliegt erst wieder 2020

Boeing muss die Hoffnung aufgeben, die 737 Max noch in diesem Jahr wieder fliegen zu lassen. Airlines rechnen mit einer Wiedereinführung im März.

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Muss noch eine Weile am Boden bleiben: Boeing 737 Max.

(Bild: Boeing)

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Flugzeughersteller Boeing rechnet nicht mehr damit, dass der weltweit mit einem Flugverbot belegte Mittelstreckenjet Boeing 737 Max 8 den Flugbetrieb noch in diesem Jahr wieder aufnehmen kann. Die notwendige abschließende Beurteilung der neuen Trainingsvorgaben für Max-Piloten sei nun im Januar zu erwarten, teilte das Unternehmen am Montag mit. Für die Anleger ist das offenbar eine gute Nachricht: Der Kurs der Boeing-Aktie drehte deutlich ins Plus.

Nachdem zwei neue 737 Max 8 in kurzem Abstand und unter vergleichbaren Umständen verunglückt waren, hatten internationale Aufsichtsbehörden den Flugzeugtyp mit einem weltweiten Startverbot belegt. Bei den Untersuchungen der Abstürze von Lion Air Flug 610 und Ethiopian Airlines 302 hatte sich herausgestellt, dass der fehlerhafte Eingriff eines neuen Systems zur Stabilisierung des Flugverhaltens des Jets ein wesentlicher Faktor war. Seither überarbeitet Boeing das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS).

Bisher war der Hersteller davon ausgegangen, dass die 737 Max noch bis zum Jahresende wieder in die Luft gehen kann. Doch bis zu einer Wiederzulassung muss der relativ neue Flugzeugtyp noch eine Reihe von Hürden nehmen. Nachdem die technischen Simulatortests mit Testpiloten der US-Flugaufsichtsbehörde FAA abgeschlossen sind, geht es bei weiteren Simulatorflügen nun darum, die Auswirkungen des Systems mit internationalen Cockpit-Besatzungen zu prüfen.

Der für eine Wiederzulassung nötige Zertifizierungsflug mit der fertigen Software könnte nun im Dezember stattfinden. Dann könnte auch die FAA einen neuen Lufttüchtigkeitsnachweis ausstellen und das Flugverbot damit aufheben. Boeing rechnet deshalb damit, dass es im Dezember wieder mit der Auslieferung fertig produzierter Jets beginnen kann.

Im Januar kann Boeing dann zusammen mit einem Gremium der Airlines ermitteln, in welchem Umfang Piloten für das neue MCAS geschult werden müssen. Dabei ist eine öffentliche Kommentierungsphase vorgesehen, was das Verfahren weiter in die Länge zieht. Erst wenn die Crews diese Trainings absolviert haben, kann die Boeing 737 Max wieder zu regulären Verkehrsflügen abheben. Auch werden wohl bauliche Veränderungen an den Flugzeugen nötig sein.

Die Boeing-Großkunden American Airlines und Southwest Airlines haben am Freitag erklärt, die 737 Max erst wieder Anfang März in den Flugplan aufzunehmen. Die Unternehmen schätzen, dass sie etwa einen Monat brauchen, um die neuen Schulungsanforderungen für die Crews zu erfüllen. Sollten die Airlines diesen Termin halten, wäre die 737 Max rund ein Jahr auf dem Boden geblieben.

Außerhalb der USA kann es zu weiteren Verzögerungen kommen. So hat die europäische Aufsichtsbehörde EASA bereits angekündigt, für die Wiederzulassung des Typs in Europa nicht einfach der FAA zu folgen, die in der Affäre um Fehler bei der Zulassung von MCAS ebenfalls schwer unter Druck ist. Boeing weist auch darauf hin, dass sich die Wiederindienststellung des Flugzeugs in anderen Ländern weiter verzögern könnte. (vbr)