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Boeing bereitet Testflüge mit Brennstoffzellen-Antrieb vor

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Das Testflugzeug basiert auf einem Motorsegler der österreichischen Diamond Aircraft Industries.

Brennstoffzellen sind nicht erst seit den neuesten Erkenntnissen zum Klimawandel eine beachtenswerte Alternative zu Antrieben, bei denen Kohlenwasserstoffe verbrannt werden, um mechanische Arbeit zu verrichten. So widmet sich etwa die Automobilindustrie schon seit rund zwei Jahrzehnten der Entwicklung von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen, bei denen die chemische Reaktionsenergie von Wasserstoff und einem Oxidationsmittel (meist Sauerstoff) in elektrische Energie umgewandelt wird. Und auch in der Luftfahrt sind Brennstoffzellen längst ein Thema. Während etwa Airbus darüber nachdenkt, mit der Weiterentwicklung der Brennstoffzellentechnik eines Tages möglicherweise ganz auf eine zentrale Hydraulik bei Fly-by-Wire-Flugzeugen wie dem Großraumjet A380 verzichten zu können (c't 17/05 [1]), ist Boeing [2] gerade dabei, experimentelle Flugtests für eine bemannte Propellermaschine vorzubereiten, die mit einem Brennstoffzellen-System sowie leichten Batterien ausgerüstet ist.

Die Forschungseinrichtung "Boeing Research and Technology – Europe" (BR&TE) arbeitet bereits seit geraumer Zeit gemeinsam mit zahlreichen Avionik-Unternehmen und universitären Einrichtungen am so genannten "Fuell Cell Demonstrator Airplane", in das eine Proton Exchange Membrane Fuel Cell (PEMFC) sowie Lithium-Ionen-Batterien eingebaut werden, die den Elektromotor- und damit den Propellerantrieb übernehmen. Auf die Lithium-Ionen-Batterien soll nur beim Start und während des Steigflugs zurückgegriffen werden, ansonsten wollen die Ingenieure bei Testflügen in Spanien in diesem Jahr zeigen, dass ein bemanntes Flugzeug in der normalen Flugphase allein von Brennstoffzellen angetrieben werden kann. Die PEMFC ist eine Niedertemperatur-Brennstoffzelle, die mit Luft und Wasserstoff betrieben wird; als Elektrolyt kommt eine Polymermembran zum Einsatz, die nur Protonen leitet.

Das "Brennstoffzellen-Demonstrationsflugzeug" basiert auf einem Motorsegler der österreichischen Diamond Aircraft Industrie [3] und hat eine Flügelspannweite von 16,3 Meter. Die Reisegeschwindigkeit soll bei reinem Brennstoffzellen-Antrieb etwa 100 Kilometer pro Stunde betragen. Die PEMFC-Technik für das Demonstrationsflugzeug wurde von der britischen Intelligent Energy [4] entwickelt. Deutschland steuert unter anderem den Propeller bei, der vom bayerischen Unternehmen MT Propeller [5] kommt. Auch wenn Boeing nicht glaubt, dass Brennstoffzellen in absehbarer Zukunft Strahltriebwerke als primäre Antriebsquellen für kommerzielle Verkehrsflugzeuge verdrängen können, so geht man doch davon aus, dass die Technologie insbesondere bei kleinen Flugzeugen – bemannt oder unbemannt – den Durchbruch schaffen kann. (pmz [6])


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http://www.heise.de/-163845

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/05/17/084_Fliegendes_Rechnernetz
[2] http://www.boeing.com
[3] http://www.diamondair.com/
[4] http://www.intelligent-energy.com
[5] http://www.mt-propeller.com/
[6] mailto:pmz@ct.de