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Boston Dynamics: Roboter werden "wichtiger als das Internet"

"Bigger than the internet" werden Roboter einst sein, meint der Chef von Boston Dynamics. Die Softbank-Tochter hat einen 300-Jahre-Plan zu erfüllen. Kommendes Jahr soll ihr erster Roboter verkauft werden.

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Eine Menschenmenge mit Smartphones und Kameras hat einen Kreis um den Roboter SpotMini gebildet

Das Interesse an SpotMini war selbst für eine Robotics-Veranstaltung auffallend groß.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Boston-Dynamics-Präsident Marc Raibert erwartet, dass Roboter eines Tages wichtiger sein werden, als das Internet.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

"Roboter werden wichtiger als das Internet", meint Marc Raibert Präsident von Boston Dynamics. "Das Internet gewährt Ihnen Zugriff auf auf alle Informationen. Roboter gewähren Ihnen Zugriff auf die ganz Welt, und lassen Sie sie manipulieren. Es wird lange dauern, aber ich glaube, dass Roboter diese Wirkung haben können." Das sagte Raibert auf der Robotics-Tagung des Nachrichtenportals Techcrunch am Samstag an der Universität Berkeley in Kalifornien.

Zu seinem Auftritt hatte Raibert einen Prototypen des SpotMini genannten vierbeinigen Roboters mitgebracht. Bisher wurde davon zehn Stück gebaut, noch in diesem Jahr sollen es hundert werden. Mitte nächsten Jahres soll dann die Produktion in Stückzahlen anlaufen, sodass SpotMini kommerziell vertrieben werden kann.

SpotMini soll gegen 30 Kilo wiegen, mit einer Akkuladung soll er bis zu 90 Minuten arbeiten können. Die Nutzer sollen eigene Hardware anstecken, Software installieren und auf Software-Schnittstellen zugreifen können. Boston Dynamics selbst will ein Überwachungspaket anbieten, voraussichtlich mit Kameras und anderen Sensoren. Damit könnte SpotMini auf Patrouille geschickt werden. "Wir schauen uns auch die Baubranche näher an", verriet Raibert.

Marc Raibert stellt den SpotMini auf der Techcrunch Robotics 2018 in Berkeley vor.

Wahrscheinlich gebe es noch zahlreiche andere Einsatzgebiete für den Roboter: "Wir finden heraus, was die Einsatzszenarien sind, während wir gleichzeitig die Technik bauen." Einen Listenpreis gibt es noch nicht. Nur so viel verriet Raibert: "Dieser Prototyp, auch wenn man es ihm nicht ansieht, kostet ungefähr ein Zehntel der Vorgängerversion."

Der Aufwand, einen Roboter auf Beinen zu konstruieren ist verglichen mit Räder- oder Raupenantrieben wesentlich höher. Es ist gar nicht einfach, den Gang von Wirbeltieren nachzuahmen. Doch für Raibert zahlt sich der Mehraufwand aus: "Fast überall, wo Sie hingehen, gibt es Hindernisse, mit denen Rad-Geräte ihre Probleme haben." Manche solche Hindernisse seien auch für Menschen sehr aufwändig, beispielsweise Kontrollgänge in Treppenhäusern von Wolkenkratzern.

SpotMini-Prototyp A08

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Auf der Techcrunch Robotics war SpotMini nicht vollautonom, sondern ferngesteuert zu sehen. Hindernisse meisterte er dabei aber autonom. Nach dem Bühnenauftritt wurde das Gerät auch im Foyer des Veranstaltungsgebäudes vorgeführt. Dort stürzte offenbar die Software ab und der Prototyp fiel um. Der Bediener musste den Resetknopf drücken und einige Minuten warten. Die Menge harrte aus, bis sich SpotMini A08 aufrappelte. Kurz darauf verbeugte er sich und suchte das Weite.

Boston Dynamics entstand 1992 als Ausgründung aus dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Raibert war einer der Gründer. Bislang gibt es keine kaufbaren Produkte. 2013 übernahm Google das Unternehmen, verkaufte es aber im Vorjahr an Softbank. Dort werden offenbar sehr langfristige Pläne gehegt. Softbank-Chef Masayoshi Son "hat einen unmittelbaren Plan, einen Zehn-Jahre-Plan, einen 30-Jahre Plan und einen 300-Jahre-Plan", erzählte Raibert, ohne auf die Rolle seines Unternehmens in diesen Plänen einzugehen. (ds)

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