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Brainshare: Auch Partner können klagen

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Rund 5500 Teilnehmer aus 58 Ländern nehmen nach offiziellen Angaben von Novell an der 23. Brainshare teil. Die meisten sind Techniker, die sich in insgesamt 250 Kursen weiterbilden oder bei den 65 Ausstellern das eine oder andere Gimmick abholen. Am großen Stand von Microsoft, der die Partnerschaft zum Thema hat, gibt es orangene Caps in direkter Anspielung auf die Bürgerbewegungen in Osteuropa. Und seit gestern saure Mienen. Denn die Brainshare wird auch von Juristen besucht.

"Das ist vollkommener Unsinn und geht weit über das hinaus, was unsere Antitrust-Gesetze bezwecken", kommentierte ein Standbetreuer von Microsoft eine Gerichtsentscheidung, die am Montag auf der Brainshare bekannt gegeben wurde: Richter des Supreme Court und des 4. Berufungsgerichtshofes in Richmond haben die Antitrustklage von Novell gegen Microsoft für statthaft erklärt. Damit ist für Novell der Weg frei, eine Klage aus dem Jahre 2004 fortzusetzen, die sich mit den 1996 an Corel verkauften Programmen WordPerfect (Textverarbeitung) und QuattroPro (Tabellenkalkulation) beschäftigt. "Die Vorwürfe sind 14 Jahre alt und vollkommen haltlos", sagte der Microsoft-Mitarbeiter, der nicht namentlich zitiert werden möchte. "Hier fliegt wohl noch der Geist von Ray Noorda durch die Hallen." Der damalige Novell-Chef hatte 1994 in einer Einkaufstour versucht, auf die Schnelle mit dem Kauf von Büroprogrammen das Gegenstück zu Microsoft Office auf den Markt zu bringen. Seine hastigen Aufkäufe läuteten den Abstieg des "Roten Riesen" ein, wie Novell seinerzeit genannt wurde.

Ganz anders sieht dies Novells Hausjustitiar (General Counsel) Ryan Richards: "Es ist ein schöner verfahrenstechnischer Gewinn für Novell. Wir sind mit der Entscheidung der Gerichte sehr zufrieden. Wir sind uns sicher, dass die ordnungsgemäße Aufarbeitung der Vergangenheit nicht die gedeihliche Zusammenarbeit mit Microsoft gefährden wird."

Nun ist ein Novell-Jurist, wenn er denn öffentlich auftritt, vor Fragen zur "unendlichen Geschichte" in der Auseinandersetzung mit der SCO Group um Eigentumsrechte an Unix nicht gefeit. Ganz besonders dann nicht, wenn Novell mit seinen Plänen für das kommende Enterprise Linux 11 direkt migrationswillige Firmen mit Unix-Altlasten angeht. Auf Fragen nach dem Stand der Dinge musste Richards zugeben, dass Novell derzeit keinen Kontakt zu Steve Norris Capital Partners hat, jener Firma, die die SCO Group mit 100 Millionen US-Dollar aus dem Konkursverfahren erlösen möchte. Mit dem Geld möchte Norris Capital Partners SCO fit machen, die Klagen gegen Novell, IBM und Red Hat fortführen zu können. Weil ihm keine Details zu dieser Geschäftsübernahme vorlägen, wollte sich Richards nicht weiter zum Stand des Verfahrens äußern.

Indirekt äußerte sich Novell-Chef Ronald Hovsepian im Interview mit heise online zur Situation. Befragt, welche Unix-Installationen in Unternehmen Novell zum Wechsel nach Linux animieren möchte, erwähnte Hovsepian explizit die Altlasten, die Firmen mit SCO-Software haben. "Wir stehen im Dienst unserer Kunden und Partner. Wenn diese sich von SCO verabschieden wollen, müssen wir ihnen vernünftige Wechselmöglichkeiten bieten, ganz unabhängig davon, wie der Prozess ausgehen wird – falls er denn überhaupt fortgeführt wird." (Detlef Borchers) /

Zu den Entwicklungen in dem Streit, den SCO mit IBM, Novell und der Open-Source-Gemeinde um SCO-Rechte an Unix und angeblich unrechtmäßig in Linux übernommenen Code angezettelt hat, siehe den Online-Artikel in c't Hintergrund (mit chronologischer Linkliste zu Beiträgen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(pmz)