Brainshare: KDE macht das Rennen

Neben Vertriebsabkommen mit IBM und HP für Suse Linux wurde auf Novells Hausmesse bekannt, dass der künftige Linux-Desktop der Firma, der das "Beste beider Welten" von Gnome und KDE vereinen soll, auf Basis von Qt entwickelt wird.

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Von
  • Detlef Borchers

Am dritten Tag der Novell-Hausmesse Brainshare in Salt Lake City verkündeten Vertreter von IBM und Hewlett-Packard ihre besonders enge Zusammenarbeit mit Novell. Sie wird sich darin äußern, dass bevorzugt Novell Suse Linux auf die Rechner wandert. Während bei IBM jedoch nur die Server gemeint sind, geht Hewlett-Packard einen Schritt weiter. Im Rahmen eines erweiterten Support-Abkommens erklärte HP, dass ab sofort Novell Suse Linux als Standard-Linux vom Laptop über den Desktop bis zu den Servern installiert und zertifiziert werde, wenn Geschäftskunden sich für Linux entscheiden. Außen vor bleiben einzig Privatkunden und die PDA-Varianten der Firma. Martin Fink, oberster Linux-Stratege bei Hewlett-Packard, nannte die Gründe für die enge Zusammenarbeit: Novell sei ein langjähriger HP-Gefährte, außerdem würde der bisherige Linux-Lieferant Red Hat kein Linux für den Desktop liefern.

Schließlich würde sich das im September verkündete Indemnification Programm von HP bestens mit dem im Januar von Novell verkündeten Rechtsschutz ergänzen, meinte Fink. Mit beiden Programmen sichern die Firmen ihre Großkunden vor Klagen der SCO Group ab, die verstärkt Linux-Endkunden ins Visier nehmen möchte, die keine Intellectual-Property-Lizenz von SCO kaufen. Bislang hat SCO Autozone, einen Händler von Autoteilen, und den Automobilkonzern DaimlerChrysler verklagt. Sowohl Autozone wie DaimlerChrysler sind HP-Kunden, doch verweigerte Fink die Auskunft darüber, ob die Firmen den aufgelegten Rechtsfonds in Anspuch nehmen wollen. Unter den ca. 6000 Teilnehmern der diesjährigen Brainshare spielte die Frage nach den Ansprüchen und dem Hin und Her um die SCO Group keine Rolle.

Interessiert wurde eher die Frage diskutiert, wie sich der kommende Linux-Desktop von Novell gestalten wird, der als Standard die Arbeit in vielen Firmen beeinflussen wird. Mit dem Einkauf von Ximian gehört Gnome zum Portfolio von Novell, mit der Übernahme von Suse ist KDE hinzugekommen. Novell-Chef Jack Messmann war am zweiten Messetag noch um Ausgleich bemüht und verkündete gegenüber der eWeek, dass man das Beste beider Welten zu einem neuen, eigenständigen Desktop kombinieren werde. "Unsere Kunden erzählen uns, dass ein Bedarf für einen Linux Desktop da ist und dass sie einen einzigen Desktop wollen. So werden wir zu einem Desktop migrieren."

In der letzten Keynote der Messe fuhr Chris Stone, der eigentliche Lenker von Novell, am Mittwochmorgen schon ein anderes Kaliber auf. Stone erklärte, dass die Desktops auf der Basis eines Desktop-Vorbildes kombiniert werden sollen. Schließlich sickerte im Verlauf des Tages die Nachricht durch, dass Novell sich bei der Entwicklungsumgebung und -bibliothek für Qt entschieden hat, womit praktisch KDE das Rennen machte -- dieser Unix/Linux-Desktop baut im Unterschied zu Gnome auf Qt. Ein leitender Suse-Manager zeigte sich mit der Entscheidung zufrieden und betonte, dass Qt die besser definierten Schnittstellen und eine erheblich größere Gemeinde von Entwicklern hinter sich habe. Die Entscheidung für KDE sei so gesehen die logische Konsequenz.

Gnome entstand in einer Aufgabelung, als Entwickler um Miguel Icaza über die Tatsache beunruhigt waren, dass die von Trolltech stammende Qt-Entwicklungsumgebung nicht wirklich frei war. Diese Einschränkung ist mittlerweile Vergangenheit. Wenn KDE der dominierende Desktop wird, gibt es einen Glaubenskrieg weniger. Chris Schlager, bei Suse stellvertretender Entwicklungschef, betonte schon im Vorfeld der sich anbahnenden Entscheidung, dass die Entwickler die Sache nicht als Glaubenskrieg nehmen, sondern pragmatisch angehen. In letzter Instanz gehe es darum, dass Firmen das bekommen sollen, was sie wirklich brauchen und nicht, was irgendwelche Fan-Gemeinden in der Community präferieren, kommentierte ein Teilnehmer der Brainshare, der für die Desktop-Strategie in einem großen deutschen Unternehmen zuständig ist.

Zur Brainshare und den Vorhaben Novells rund um Linux siehe auch:

(Detlef Borchers) / (jk)