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Brainshare: Vom Chamäleon zur Fossa

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Auf seiner Nutzerkonferenz Brainshare in Salt Lake City hat Novell seine Entwicklungsperspektiven vorgestellt. Bis zum Jahre 2012 will sich das Unternehmen als führender Provider für die Software-Infrastruktur von Unternehmen aufgestellt haben, der jede Version eines Betriebssystems als Frontend mit jedem Backend betreiben und managen kann. Neben den Visionen kündigte Novell im Tagesgeschäft eine enge Zusammenarbeit mit SAP sowie ATOS Origin an und stellte seine Pläne für das Linux Enterprise 11 vor.

Der Regen und Schneematsch in Salt Lake City sind nichts für Geeko, das grüne Suse-Maskottchen. Es hatte zur Eröffnung der Brainshare vor 5500 Zuhörern nur einen Kurzauftritt als Pausenfüller, der das Publikum ermahnte, die iPhones auszuschalten. Ob Fossa, das neue Leittier von Novell, die Witterung akzeptieren dürfte, mag bezweifelt werden. Fossa ist eine Art tiefgelegter Puma, der auf Madagaskar beheimatet ist. Zum Leittier des Fossa-Projekts schaffte es die Frettkatze, weil sich mit Fossa auch FOSSA schreiben lässt, was eine eine Abkürzung für Free and Open Source Software Agility ist. Fossa steht für den Anspruch von Novell, bis 2012 bei allen Megatrends der führende Lösungsanbieter zu sein. Dies gilt für die Virtualisierung, das Identitäts- und Policy-Management ebenso wie für Compliance-Lösungen und die Aufgabe, aus der heutigen Collaborations-Software ein echtes Social Networking für Firmen zu entwickeln.

Abseits des großen Ganzen anno 2012 hatte Novell zur Eröffnung der einwöchigen Brainshare vor allem Kooperationen anzubieten. An erster Stelle muss hier ein strategisches Abkommen mit SAP genannt werden, bei dem Novell's Linux Enterprise Server (SLES) die Systemplattform für SAP's Softwarelösung für den Mittelstand, SAP Business All-In-One darstellt. SLES soll für SAP Buiness Suite Lösungen weiter optimiert und Zenworks Orchestrator für SAP Adaptive Computing adaptiert werden. Knapp 18.000 Versionen dieses Bündels will SAP nach Aussage von Pat Hume, Senior Vice President SME bei SAP, noch in diesem Jahr verkaufen.

Hume richtete einen Appell an die Open-Source-Entwickler, beim Verkauf mitzuhelfen und dafür 5 Prozent des Netto-Verkaufspreises (durchschnittlich 34.000 Euro) Provision zu kassieren. Ein weiteres strategisches Abkommen mit Atos Origin ist auf den europäischen Markt ausgerichtet und soll Firmen helfen, staatlichen Auflagen und Anforderungen zu entsprechen. Erste Kunden dieser Compliance-Partnerschaft sind der deutsche Sender Premiere und die spanische Arbeitsagentur Institutode Empleo Servicio Publico (INEM).

Neben der Ankündigung von Kooperationen stellte Novell erste Pläne für sein kommendes Enterprise Linux 11 auf Basis des Linux-Kernels 2.6.27 vor. Neben der üblichen Aufteilung in SLES (Enterprise Server) und SLED (Enterprise Desktop) wird diese Linux-Version auch als Thin Client und als Linux Appliance auf den Markt kommen. Daneben soll es einen Schul-Desktop geben, den Lenovo und Dell zusammen mit ihren Laptops vermarkten. Enterprise Linux 11 soll besonders für die Firmen interessant sein, die von alten Unix-Systemen umsteigen wollen. Darum wird es mit dem Oracle Cluster File System ein Posix-konformes Dateisystem erhalten. "Wir wollen mit Suse Linux Enterprise 11 den Inustriestandard für Unix-Migrationen setzen", verkündete Novell-Chef Ron Hovsepian auf der Brainshare.

Weil viele Firmen mit der vorhandenen Collaborations-Software sehr unzufrieden sind, will Novell in der nächsten Linux-Version auf der Basis des aufgekauften Opens-Source-Projektes ICEcore und eines speziell um "Teaming & Conferencing" erweiterten OpenOffice ein attraktives Angebot am Markt haben, die Welt des Social Networkings, auch bekannt als Web 2.0, speziell für die Firmenkommunikation zu entdecken.

Verhalten äußerte sich Novell zur umstrittenen Kooperation mit Microsoft, das einen großen Stand auf der Begleitmesse hat und für die erweiterte Zusammenarbeit wirbt. Auf der Pressekonferenz nach den Eröffnungs-Keynotes der Brainshare meinte Novells Technik-Chef Jeff Jaffe, dass es noch zu früh sei, um diese Kooperation bewerten zu können. Nach Angaben vom Microsoft-Stand sind HSBC, die Deutsche Bank und Wal-Mart die wichtigsten Großkunden, die direkt von den Ergebnissen der Kooperation profitieren konnten. (Detlef Borchers) / (Detlef Borchers) / (anw)

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