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Branche spekuliert über Diebold-Rückzug aus Wahlmaschinen-Geschäft

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Das in der Vergangenheit immer wieder wegen gravierender Mängel seiner Wahlcomputer in die Kritik geratene Unternehmen Diebold könnte nach Einschätzung von Branchen-Insidern seinen kleinsten Geschäftszweig, Diebold Election Systems (DES), möglicherweise bald abstoßen. DES arbeitet zwar profitabel und steuerte im Geschäftsjahr 2006 rund acht Prozent zum Gesamtumsatz (2,9 Milliarden US-Dollar) und zwölf Prozent zum Gewinn des Konzerns bei, doch die Manager sorgen sich offenbar um den Ruf des Unternehmens, das vor allem im Bankgeschäft tätig ist.

In einem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) hält Diebold fest, dass das Verhältnis zu den staatlichen Wahlbehörden wegen der zahlreichen Beschwerden über die eigenen Wahlmaschinen-Produkte gelitten habe. Die Position des Unternehmens im wachsenden Markt für elektronische Wahlsysteme sei dadurch auch in Zukunft angreifbar. Hinzu kämen Unsicherheiten durch die Verabschiedung neuer Wahlmaschinen-Direktiven auf nationaler Ebene, deren Auswirkungen derzeit noch nicht genau abgeschätzt werden könnten.

Für den Investment-Analysten und Diebold-Fachmann Gil Luria, den das Wirtschaftsmagazin BusinessWeek zitiert, deuten die Äußerungen des Unternehmens darauf hin, "dass Diebold entweder bereits einen Käufer für DES aus dem Private-Equity-Umfeld gefunden hat, oder dass die Manager bald ankündigen werden, dass sie für DES einen Kaufinteressenten suchen". Ein Grund für die mögliche Veräußerung von DES könnte auch sein, dass öffentliche Gelder für die Anschaffung von elektronischen Wahlmaschinen nicht mehr so üppig fließen. Allein der Help America Vote Act (HAVA) von 2002 hatte ein Volumen von 3,9 Milliarden US-Dollar. (pmz)