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Brasilianische Regierung will Armen Handys schenken

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Die brasilianische Regierung plant, den Armen des Landes die Möglichkeit zu geben, über Handys zu kommunizieren. Der Kommunikationsminister Hélio Costa teilte in der Hauptstadt Brasilia mit, 11,9 Millionen Familien, die vom Programm Bolsa familial unterstützt werden, sollen Handys überlassen werden. Im Parlament werden gegenwärtig auch Gesetze diskutiert, die Ähnliches für Festnetzanschlüsse vorsehen. Der Minister geht aber davon aus, dass Handys die bessere Option sind.

Anspruch auf die Armenhilfe, die durchschnittlich 35 Euro beträgt, sollen Familien haben, deren Einkommen unter 55 Euro im Monat liegt. Die Kosten für das Handyprogramm mit dem Namen Bolsa Celular, das die Regierung ein Jahr vor den nächsten Wahlen auflegen will, werden für die ersten beiden Jahre auf 2 Milliarden Reales (780 Millionen Euro) veranschlagt. Allgemein wird angenommen, dass Präsident Lula da Silva an den Wahlerfolg anschließen will, den er mit dem Programm Bolsa familiar 2006 erzielt hatte.

Die Handys sollen von den Mobilfunkbetreibern zur Verfügung gestellt werden. TIM Brasil, Claro und Vivo sollen ihre Teilnahme am Programm bereits bestätigt haben. Die Kosten sollen, zumindest teilweise, durch einen Steuernachlass finanziert werden. Einzelheiten scheinen aber noch nicht geklärt zu sein.

Jede Familie soll neben einem Handy auch monatlich 7 Reales (2,7 Euro) für die Telefonkosten erhalten. Spekuliert wird darauf, dass die Menschen mehr für die Handy-Benutzung ausgeben, was sie dann selbst bezahlen würden und was direkt den Mobiltelefonprovidern zugute käme.

In Kommentaren wird die Idee des Kommunikationsministeriums als "Witz" bezeichnet. Schließlich gebe es andere Probleme wie Armut, Unterernährung, medizinische Versorgung oder Slums, die dringender gelöst werden müssten, als die Versorgung der Menschen mit Handys.

(fr)