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Brave-Browser: Adblocker mit Bezahlfunktion per Bitcoin

Werbeverweigerer sollen per Bitcoin an die Betreiber von Websites zahlen können. Bisher gibt es jedoch noch keine Medienpartner, dafür steht die Konkurrenz bereits in den Startlöchern.

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Brave-Browser

Der Browser Brave errechnet, welche Websites wie viel des monatlichen Betrags erhalten sollen.

Der Webbrowser des ehemaligen Chefs der Mozilla Foundation Brendan Eich bekommt eine Zahlungsfunktion. Mit den am Freitag vorgestellten Brave Payments versucht das Startup, die Verlage mit ins Boot zu holen und sich als vernünftige Alternative zwischen Werbeblockade und dem Krieg gegen Adblocker zu präsentieren.

Der neue Browser Brave hatte bereits im Januar für Schlagzeilen gesorgt. Neben der integrierten Werbeblocker-Funktion hatte der auf Chrome basierte Browser auch eine Zusatzfunktion eingebaut: Brave soll nicht nur die meiste Werbung von Webseiten entfernen, sondern auf einigen Werbeplätzen eigene Werbung einblenden, die die Nutzer nicht trackt. Das mit der Werbung verdiente Geld sollte zwischen Publishern, Werbetreibenden und sogar den Browser-Nutzern aufgeteilt werden, Brave selbst wollte 15 Prozent der Umsätze einbehalten.

95 Prozent für die Publisher

Bei den Publishern stieß das Angebot auf keine Gegenliebe: Gleich 17 Verlage unterschrieben einen offenen Brief gegen das Vorhaben und drohten mit Schadensersatzprozessen, sollte Brave sein Geschäftsmodell auf ihren Websites starten. Bisher hatte Brave offenbar auch keine Werbepartner von dem Konzept überzeugen können – statt alternativer Werbung blendet der Browser bisher nur einen Platzhalter ein.

Mit dem neuen Modell zeigt sich Brave vermeintlich großzügiger: Von dem Geld, das die Nutzer über Brave einzahlen, sollen die Betreiber der besuchten Websites diesmal 95 Prozent erhalten. Um die Gebühren eines Mikropayment-Dienstleisters zu vermeiden, setzt Brave auf Bitcoin.

Einfachste Handhabung

Das Interface ist möglichst einfach gehalten. Nutzer können die Funktion in ihrem Browser aktivieren und bekommen dann automatisch eine Art Treuhandkonto eingerichtet. Dieses können sie entweder über den Dienstleister Coinbase oder eine bereits vorhandene Bitcoin-Wallet befüllen. Anschließend wählt der Nutzer aus, wie viel Geld er monatlich bezahlen will.

Fortan führt der Browser eine Liste der Websites, die der Nutzer besucht hat - hier sollen ausdrücklich nur von Verlagen betriebenen Angebote berücksichtigt werden. Aufgrund der Anzahl der Seitenabrufe und der Zeit, die ein Nutzer auf den betreffenden Seiten verbracht hat, errechnet der Browser dann, welchen Anteil des monatlich gezahlten Geldes an welchen Betreiber ausgeschüttet werden soll. Hat sich auf dem Treuhandkonto einer Website Bitcoins im Wert von 10 Dollar angesammelt, will Brave die Betreiber anschreiben und ihne die Auszahlung des Geldes anbieten.

Konkurrenz ist bereits am Ball

Das Konzept ähnelt sehr dem von Adblock Plus-Hersteller Eyeo bereits im Mai angekündigte Zahlfunktion, die jedoch auf den Mikropayment-Dienstleister Flattr statt auf Bitcoin setzen soll. Der Haken an dem Konzept: Ohne die Kooperation der Website-Betreiber haben die Nutzer der Zahlfunktion keinerlei Vorteile zu erwarten. Die auf immer mehr Websites eingesetzten Paywalls bleiben undurchdringlich. Da die Zahlungen anonym erfolgen, können die Verlage Brave-Nutzern auch keine Vorteile gewähren.

Das Berliner Startup Satoshipay richtet sich mit sogenannten Nano-Payments ebenfalls an Anbieter, die ihre Inhalte vermarkten wollen. Über eine Wallet-Anwendung im Browser können Nutzer Mikrozahlungen mit Bitcoin leisten. Dank einer Kooperation mit Visa soll man bald nicht nur mit Kryptogeld, sondern auch über Kreditkarten die Wallet aufladen können.

Gleichzeitig setzt die wachsende Anti-Adblocker-Industrie ebenfalls auf Zahlfunktionen. Anbieter wie Adlatch versprechen Publishern werbeverweigernde Nutzer in zahlende Kunden zu verwandeln. Viele Verlage versuchen das Geschäft lieber in die eigene Hand zu nehmen. So hat zum Beispiel Spiegel Online im Juni in Zusammenarbeit mit dem Anbieter Laterpay das Angebot Spiegel Plus gestartet, bei dem Nutzer kostenpflichtige Artikel nachträglich bezahlen können. Unterdessen setzt die Onlinewerbeindustrie darauf, nervtötende Werbeformen zurückzudrängen und so die Nutzer vom Gebrauch von Werbeblockern abzubringen.

Einen ausführlichen Artikel mit weiteren Hintergrund-Informationen zu den Entwicklungen im Onlinewerbe-Markt finden Sie in der kommenden c't 19/16, die ab Samstag am Kiosk liegt. Abonnenten erhalten die Ausgabe bereits Freitag im Briefkasten. (axk)

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