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Webbrowser Brave beschleunigt eingebauten Adblocker

Der Brave-Browser will mit effizientem Adblocker überzeugen. Dessen Engine haben die Entwickler komplett neu in Rust programmiert. Werden die Nutzer das merken?

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(Bild: Brave)

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Die integrierte Adblocker-Engine des Brave-Browsers soll künftig effizienter arbeiten. Dazu haben die Entwickler den Werbefilter (Brave Shields) in Rust neu programmiert; bislang hatten sie auf C++ gesetzt. Inspirieren ließen sich die Entwickler von uBlock Origin und Ghostery, die zu den bekanntesten Adblockern gehören. Brave basiert, wie viele andere Browser auch, auf Chromium.

Die Erneuerung ist auch eine Reaktion auf das umstrittene "Manifest V3", das Google im Chromium-Blog vorgestellt hatte. Das Planungsdokument sieht vor, das webRequest API zu entfernen – ein Problem für viele Adblocker, die auf die Erweiterungsschnittstelle aufsetzen. Ursprünglich sollten die Filterregeln auf 30.000 begrenzt werden – aktuelle Adblocker verwenden allerdings mehr als doppelt so viele. Google besserte nach lauter Kritik nach und kündigte eine Vergrößerung der Blocklisten an.

Zwar würde das Manifest den Adblocker von Brave nicht betreffen, weil die Requests "nativ vearbeitet" würden. Nichtsdestotrotz habe Brave dank einer Studie von Cliqz erkannt, dass der integrierte Adblocker durchaus schneller arbeiten könne. "Wir werden weiterhin die webRequest API für alle Erweiterungen in Brave unterstützen", sicherte Brave-Gründer Brendan Eich den Nutzern außerdem zu.

Beim Aufruf einer Website verarbeitet der Brave-Browser durchschnittlich 75 Requests, auf die jeweils zehntausende Regeln angewendet werden, um Werbeelemente zu entdecken. Es gibt also viel zu tun. Zwar arbeitete der Adblocker dank optimiertem C++-Code schon recht schnell mit einem Overhead nur im Millisekunden-Bereich. Doch es war mehr drin, schreiben Dr. Andrius Aucinas und Dr. Ben Livshits in einem ausführlichen Blog-Eintrag. Als Vorbilder dienten uBlock Origin und der Werbeblocker-Ansatz von Ghostery. "Im Mittelpunkt steht ein Tokenisierungsansatz, der speziell auf den Abgleich von Adblock-Regeln mit URLs und die für die verschiedenen Arten von Regeln optimierte Regelauswertung ausgerichtet ist."

Mit Rust setzen die Programmierer auf eine Sprache, die von Mozilla Research entwickelt wurde. "Wir konnten den Adblocker noch weiter optimieren und eine 69-fache Verbesserung erreichen", schreiben Aucinas und Livshits. Mit der Kombination der beiden führenden Listen EasyList und EasyPrivacy benötigt die Brave-Engine im Durchschnitt nur noch 5,7 Mikrosekunden pro Request (also aufgerundet 0,000006 Sekunden). Allein EasyList enthält 39.000 Netzwerk-Filterregeln; EasyPrivacy ergänzt diese um weitere 16.000 Filterregeln, um Tracker aufzuspüren und auszufiltern. Einfluss auf die Arbeitsgeschwindigkeit des Brave-Adbockers haben die Hardware des Geräts sowie die Filterregeln und deren Komplexität.

Werden die Nutzer die bessere Performance aber auch bemerken? Wahrscheinlich nicht, räumt Brave ein. Allerdings würde die CPU entlastet werden, was wiederum anderen Funktionen zu­gu­te­kommt. Durch die tiefe Integration in den Browser können die Entwickler nativen Code verwenden und weiter optimieren, um unnötigen Overhead zu vermeiden. Am Ende steht ein Adblocker "mit der besten Perfomance", hofft Brave. Durch die verbesserte Filterung sollen künftig auch weniger Webseiten kaputt gehen.

Brave will sich zudem als "sicherer und schneller Web-Browser" gegen Konkurrenten wie Chrome und Firefox positionieren. Hinter dem Browser steckt Brendan Eich, ehemaliger Chef der Mozilla Foundation. Er hatte seinen Browser im Januar 2016 vorgestellt: Brave sollte die meiste Werbung von Webseiten entfernen und auf einigen Werbeplätzen eigene Werbung einblenden. Das zumindest war damals die Idee, derzeit experimentiert Brave mit einer Art Popup-Werbung. Das Brave-Konzept stieß in der Vergangenheit gerade bei Publishern schnell auf Kritik. (dbe)