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Breaking Bad: Rätselraten um angeblichen 4K-Crack bei Netflix

Nachdem die Pilotfolge von Breaking Bad in ultrahoher Auflösung auf Torrentseiten aufgetaucht sein soll, schießen die Spekulationen ins Kraut, wonach das "Netflix-DRM" beziehungsweise das Kopierschutzverfahren HDCP geknackt ist.

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Erstmals ist eine Episode von "Breaking Bad" in ultrahoher "4K"-Auflösung mit 3840 × 2160 Bildpunkten (offiziell 2160p) als illegale Kopie im Netz aufgetaucht, berichtet Torrentfreak. Konkret handelt es sich um die Pilotfolge der US-amerikanischen Erfolgsserie.

Aus den von Torrentfreak veröffentlichten Anmerkungen der angeblich für die Anfertigung verantwortlichen Gruppe "iON" ergibt sich, dass eine 4K-Version des Streamingdienstes Netflix als Quelle diente und die Kopie mit einer UHD-tauglichen HDMI-Capture-Karte angefertigt wurde.

Einige Berichte verrennen sich bei der Analyse allerdings völlig und geben an, dass viele aktuelle UHD-Fernseher Netflix-Videos in 4K wiedergeben würden, die "High-bandwidth Digital Content Protection (HDCP) in der Version 2.2 unterstützen" – und wollen damit offenbar andeuten, dass sie als Quelle in Frage kämen. Das ist doppelt unsinnig: Zum einen geben diese TVs die Netflix-Videos über eigene Apps wieder, zum anderen spielen sie nicht selbst über HDMI Videoinhalte aus.

Ebensowenig wird beim Einsatz einer HDMI-Capture-Karte das "Netflix-DRM" geknackt, wie manche Seiten formulieren.

Als Quelle kommt am ehesten einer der wenigen UHD-Medienplayer in Frage, die ihrerseits ultrahochaufgelöste Netflix-Videos dekodieren und per HDMI an UHD-Fernseher weiterreichen. Vor allem Sony hat solche Geräte bislang auf dem Markt gebracht, in Deutschland etwa das Modell FMP-X5. Im c't-Test zeigte sich tatsächlich, dass das Gerät nur mit UHD-Fernsehern (und AV-Receivern als Video-Vermittlern) zusammenarbeitet, die HDCP 2.2 unterstützen.

Insofern wäre es durchaus möglich, dass die neueste Fassung des Kopierschutzes bereits geknackt wurde. Ebenso möglich ist aber, dass Hackern ein Eingriff in die Elektronik des UHD-Medienplayers gelungen ist, um HDCP bereits vor der Ausgabe des Videodatenstroms zu deaktivieren.

Spekuliert wird noch, ob die Videodaten mit einem Wasserzeichen versehen waren, die die Rückverfolgung zum benutzen Netflix-Konto ermöglicht. Der Videostreamingdienst selbst hat nach US-Medienangaben bislang nur mitgeteilt, dass er den Fall untersuche.

Darüber, wie sinnvoll das Capturen des 4K-Datenstroms generell ist, lässt sich streiten. Klar ist, dass die dafür eingesetzte Karte die über HDMI eintreffenden Videodaten (re-)kodieren muss, um den Umfang des Datenpakets auf ein einigermaßen brauchbares Maß zu bringen.

Im vorliegenden Fall wurde dabei H.264 als Codec eingesetzt, der bei 4K sicher nicht mehr die erste Wahl ist. Im Ergebnis ist die eine Episode nun laut Mediainfo zur Datei 17,3 GByte groß, bei einer Datenrate von 41,3 MBit pro Sekunde. Zum Vergleich: Netflix spielt Breaking Bad HEVC-kodiert (H.265) kodiert in UHD aus, die maximale Datenrate liegt hier bei rund 15,5 MBit pro Sekunde.

Auch der Ton ist bei Capture-Lösungen oft ein Problem: Viele Karten können lediglich Stereoton aufzeichnen. Im vorliegenden Fall fällt bei einem genaueren Blick auf die Mediainfo auf, dass die Kopie DTS-5.1-Ton bieten soll. Tatsächlich nutzt Netflix aber Dolby Digital (Plus). Des Rätsels Lösung: Den Ton soll iON von der Blu-ray-Fassung der Episode gerippt haben.

Über HDCP-Knacker (wenn auch nicht für HDCP 2.2) lassen sich schon lange Kopien von Blu-rays oder kopiergeschützt übertragenen HDTV-Sendungen anfertigen. In der Praxis hat dieser Weg aber kaum eine Bedeutung, da Angreifer lieber direkt die Scheiben rippen oder nicht offiziell zugelassene HDTV-Receiver mit Aufnahmefunktion nutzen. So erhalten sie tatsächlich 1:1-Kopien der gespeicherten beziehungsweise ausgestrahlten Filme. Man darf daher davon ausgehen, dass auch bei 4K-Videos vor allem die kommende Ultra-Blu-ray ins Visier gerät. (nij)