Menü

Breitband-Ausbau: "Eine verlorene Legislaturperiode"

Nach der Vectoring-Entscheidung des Regulierers zeigen sich Telekom-Konkurrenten enttäuscht von der Breitband-Politik der Bundesregierung. Sie fordern nun eine langfristige Politik des Glasfaserausbaus.

von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 103 Beiträge
Breitbandversorgung

(Bild: dpa, Peter Kneffel/Archiv)

Die politische Schlacht um den Vectoring-Ausbau der Deutschen Telekom ist geschlagen, die Bundesnetzagentur hat die Tarife für eines der Vorleistungsprodukte schon in Kraft gesetzt. Auf einer Konferenz des Netzbetreiberverbands VATM am Mittwoch in Köln betonten Branchenvertreter die Überlegenheit ihrer Glasfasernetze und plädierten vor allem für mehr Verlässlichkeit bei der Regulierung des Breitband-Ausbaus.

Mit der Bundesregierung und der Bundesnetzagentur gingen die Telekom-Konkurrenten dabei hart ins Gericht. So betonte Martin Witt, VATM-Präsident und Chef des Providers 1&1, dass sich die Bundesnetzagentur bei der umstrittenen Entscheidung über die Bedenken der EU-Kommission hinweggesetzt habe. Theo Weirich, Präsident des Bundesverbands Glasfaser (Buglas) und Geschäftsführer des Providers wilhelm.tel, gab sich hingegen gelassen: "Für uns ist die Regelung gut, da wir so unser Monopol ausbauen können", erklärte Weirich. So habe die Telekom bereits heute im Verbreitungsgebiet von Wilhelm.tel nur einen geringen Marktanteil. Für den Rest der Republik sei die Entscheidung jedoch eine Katastrophe.

Einigkeit herrschte in Köln, dass nur die kurzfristige Sichtweise der Politik diese Entscheidung verursacht habe. So betonte Iris Henseler-Unger, Direktorin des Wissenschaftlichen Instituts für Informations- und Kommunikationsdienste (WIK), dass das Breitbandziel der Bundesregierung 2018 Grund für die umstrittene Entscheidung der Bundesnetzagentur gewesen sei: Die Behörde, deren Vizepräsidentin Henseler-Unger bis 2014 war, habe nach den gesetzlichen Bestimmungen handeln müssen und sich nicht auf die Wettbewerbskontrolle beschränken können.

Künftig müsse mit mehr Vorplanung gearbeitet werden, sagte Henseler-Unger: "Es sollte nicht erst ausgebaut werden, wenn Engpässe offensichtlich werden." Für die kommenden Jahre sieht sie in vielen Berufsgruppen einen enorm steigenden Bandbreitenbedarf voraus, der dann nicht mehr durch Kupferkabel gestillt werden könne. "Wir haben es mit einer verschenkten Legislaturperiode zu tun, was die Gigabit-Konnektivität betrifft", erklärte der ehemaliger Direktor des WIK Karl-Heinz Neumann.

Auch die Bundesregierung ist mit der Entwicklung nicht gänzlich zufrieden. So erklärte Peter Knauth vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dass die Entwicklung nicht ganz wie gewünscht verlaufe. "Doch wenn ein Unternehmen meint, mit Zugangsgeschwindigkeiten von 100 MBit/s oder 250 MBit/s die nächsten Jahre überstehen zu können, dann ist das so." Die Bundesregierung habe bei der Bandbreitenförderung auf die Bevorzugung der Glasfaser gedrungen, sei aber am Widerstand der Bundesländer gescheitert, die weiterhin Verbindungen mit nur 30 MBit/s fördern wollten. Nun komme es darauf an, den Bedarf nach größeren Bandbreiten zu vermitteln, so dass sich Investitionen rentieren könnten.

Auch die Pläne der Europäischen Union begeistern die Provider nicht. So will die Kommission bis zum Jahr 2025 Internetanschlüsse für jeden Haushalt mit mindestens 100 MBit/s durchsetzen, die auf Wunsch auf bis zu 1 GBit/s aufgestockt werden sollen. Unklarheit herrscht noch, wie genau diese Aufrüstbarkeit realisiert werden soll und ob damit Techniken wie Vectoring außen vor bleiben. Zudem zeigten sich die Provider beunruhigt, dass die EU-Kommission den Bandbreitenbedarf in nur sechs Jahren von 30 auf 100 MBit/s hochgeschraubt habe. Ständig nachgebesserte Vorgaben würden aber den Investitionsmarkt lähmen, betonten Branchenvertreter. Erzsébet Fitori, Leiterin des FTTH Council Europe erklärte, dass es beim Ausbau der Glasfasernetze nicht nur um Geschäftsmodelle für die nächsten fünf oder zehn Jahre gehe: "Die Netze, die wir heute bauen, sollen auch fünfzig Jahre benutzt werden." (Torsten Kleinz) / (vbr)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige