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Breitband-Forum: Warten auf die Gigabit-Gesellschaft

Was kommt zuerst: eine hochwertige Breitband-Infrastruktur oder die Anwendungen? Auf dem Breitbandforum in Köln wurden Video und der 5G-Mobilfunkstandard als Treiber des digitalen Ausbaus identifiziert.

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Glasfaser, Daten, Licht

Das größte Hindernis beim Ausbau der digitalen Infrastruktur ist die noch geringe Nachfrage. Selbst wenn schnelle Glasfaserleitungen verlegt werden, sind viele Kunden noch mit DSL-Geschwindigkeiten zufrieden und nicht bereit, mehr für einen Anschluss zu bezahlen. Auf dem 19. Breitband-Forum der Medienakademie Köln am Mittwoch debattierten Branchenvertreter darüber, wie sie den Ausbau vorantreiben können und wie sie mit schnellen Netzen Geld verdienen können.

Vor allem in Video-Übertragungen setzt die Branche große Hoffnungen. Laut einer Untersuchung des Beratungs-Unternehmens BearingPoint werden im Jahr 2020 alleine Video-On-Demand-Dienste Bandbreiten von 380 Mbit/s beanspruchen, mindestens aber 65 Mbit/s. 2014 betrug die durchschnittliche Bandbreite 10,7 Mbit/s. Im Video-Bereich sollen sich die Umsätze demnach von 203 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 678 Millionen im Jahr 2020 mehr als verdreifachen, der Handel mit Musik von 353 Millionen auf 787 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Der Umsatz von Online- Games soll von 893 Millionen auf 1,7 Milliarden Euro steigen.

Insbesondere die Content-Anbieter stellt die neue Nachfrage vor Probleme. Die technische Infrastruktur sei nur unzureichend auf den Wandel vorbereitet, meint ZDF-Digitalstratege Robert Amlung. Bei Übertragungen von Fußball-Länderspielen kämen 200.000 bis 300.000 Zuschauer hinzu, die sich den Online-Stream ansehen. "Das schafft das deutsche Internet gerade so", sagte Amlung.

Ein Blick über die Grenzen zeigt aber, dass sich die Sender darauf einrichten müssen, immer mehr Inhalte per Unicast statt Broadcasting bereitzustellen. In der Schweiz würden Kunden von Swisscoms zeitversetztem On-Demand "TV 2.0" nur noch die Hälfte der Inhalte live anschauen. Für die Fernsehsender bedeutet das eine Umstellung ihrer Arbeitsweise. So experimentiert FaceTV bereits mit der App Zoom", die dem Zuschauer aus den verfügbaren Kurzvideos automatisiert ein personalisiertes Programm bestimmter Länge zusammenstellt.

Auch die Deutsche Telekom möchte mitmischen. Der Konzern sei mittlerweile in die dritte Phase des Content-Geschäfts eingetreten, erklärte Telekom-Manager Peter Kerckhoff in Köln. Nachdem sich die Telekom weitgehend erfolglos selbst im Content-Geschäft versucht hatte und sogar dem Pay-TV-Sender Sky Konkurrenz machen wollte, hatte sich der Konzern zuletzt auf die Plattform T-Entertain konzentriert. Jetzt wolle man Angebote schaffen, die den Kunden Zugang zu den gewünschten Medien bieten. Durch den Aufstieg von Netflix und die Video-Angebote von Amazon und Apple sei das Lizenz-Geschäft aber wesentlich schwieriger geworden.

Tobias Miethaner, Leiter der Abteilung Digitale Gesellschaft im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zog eine positive Zwischenbilanz für das Breitband-Förderprogramm der Bundesregierung. So habe man bereits ersten Kommunen Gelder bewilligt, damit diese ihre Breitbandplanungen voranbringen können. Im Februar rechne man mit den ersten Zusagen für konkrete Ausbauprojekte. Dass sich die Bundesregierung so spät zur Förderung entschlossen habe, entschuldigte Miethaner damit, dass sie zunächst nicht erkannt habe, dass bei einem rein privaten Ausbau weiße Flecken bleiben würden.

Stephan Albers, Geschäftsführer des Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) sprach sich dafür aus, für den Ausbau möglichst auf regionale Netzbetreiber zu setzen und den exklusiven Vectoring-Ausbau der Hauptverteiler durch die Telekom abzulehnen. Diesem Ansinnen machte der Bundestagsabgeordnete Martin Dörmann, der im Beirat der Bundesnetzagentur sitzt, wenig Hoffnung. Bei der Investitionsentscheidung der Telekom gehe es "nicht um das Ob, sondern um das Wie", erklärte der Abgeordnete. So suche die Bundesnetzagentur einen Kompromiss, der beide Seiten zufrieden stelle.

Der chinesische Netzausrüster Huawei skizzierte unterdessen einen weiteren Treiber für den Glasfaser-Ausbau. So arbeitet Huawei zusammen mit Vodafone an einem 5G-Mobilfunknetz mit Übertragungsraten im Gigabit-Bereich und Latenzen von nur einer Millisekunde. Damit diese Bandbreiten Realität werden können, müssen die Funkzellen per Glasfaser angebunden sein. Ergebnis sei schließlich, dass die Trennung zwischen Mobilfunk- und Festnetz bei den Providern aufgehoben werde.

"Dieser Ausbau wird dafür sorgen, dass Glasfaser immer näher zum Endkunden kommt", sagte Walter Haas, CTO von Huawei Deutschland. So werde der Ausbau des Internets der Dinge und der Anwendungen wie das Connected Car dafür sorgen, dass die Breitband-Infrastruktur auch für Privatkunden- Anschlüsse gebaut werden. Dieser optimistischen Sicht wollten sich aber nicht alle anschließen. So bezweifelte Jost Hermanns, Geschäftsführer des Regionalproviders NetCologne, dass bereits in fünf Jahren in Deutschland ein 5G-Netz aufgebaut werden könne. (Torsten Kleinz) / (vbr)

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