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Breitband: "Wir bauen für die Ewigkeit"

Man könne die gründliche Konstruktion von Datenautobahnen hierzulande nicht mit dem Hochziehen von Datenleitungen in Südkorea vergleichen, meint die Verkehrsstaatssekretärin Dorothee Bär. Das brauche seine Zeit.

Dorothee Bär, parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, hat die Breitbandziele der Bundesregierung in Schutz genommen. "Wir bauen für die Ewigkeit", erklärte die CSU-Politikerin am Freitag auf der Herbstkonferenz der deutschen Breitbandinitiative. Das erfolge "sehr tief" sowie "erdbeben- und tsunamisicher" und stehe in keinem Vergleich etwa mit Südkorea, wo von Haustür zu Haustür und Fenster zu Fenster rasch Leitungen verlegt würden.

Gut Breitbandausbau will Weile haben, findet Staatsekretärin Dorothee Bär.

Schwarz-Rot hat sich im Koalitionsvertrag sowie in der digitalen Agenda vorgenommen, dass 2018 allen Haushalten hierzulande Internetanschlüsse mit mindestens 50 MBit/s zur Verfügung stehen sollen. Bislang spielt der Breitband-Königsweg, die Glasfaser, hierzulande mit einer Verbreitung von 0,3 Prozent laut aktuellen Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) noch so gut wie keine Rolle. Korea gehört zusammen mit Japan dagegen zu den OECD-Anführern in diesem Bereich: Glasfaserverbindungen machen dort knapp 70 beziehungsweise 65 Prozent der Breitbandanschlüsse im Festnetz aus.

Bär sprach trotzdem von einer ehrgeizigen Vorgabe der Regierung, die "mit einem Technologiemix" aber wohl erreicht werden könne. Glasfaser solle dabei zumindest in allen Neubaugebieten zum Tragen kommen. Staat und Wirtschaft hindere auch niemand daran, die Ausbauziele schneller zu erreichen oder nach oben zu setzen. Im Haushalt bleibe es aber nicht nur insgesamt, sondern auch beim Thema Breitband bei der viel beschworenen "schwarzen Null".

Wie die Linken vorrechnen, umfasst der Haushaltstitel fürs Fördern und Entwickeln von Netzinfrastrukturen und Breitband im Verkehrsministerium für 2015 zwei Millionen Euro und schrumpft so um eine ganze Millionen gegenüber dem laufenden Jahr. "Einen Modernitätsfonds haben wir zumindest", ging Bär kurz auf die knapper werdenden Mittel ein. Dieser reiche aber eher fürs Erforschen alternativer Ausbauverfahren als fürs eigentliche Verlegen von Rohren und Leitungen.

Derlei wissenschaftliche Arbeiten sind Bär zufolge aber auch nötig, da sich etwa das Micro-Trenching mit kleinen Schnitten in geteerte Oberfläche in der Praxis "gar nicht so einfach" erweise. Und bringe man für den Einzug von Glasfaser etwa auch Frischwasserrohre ins Spiel, "kriegen manche Schnappatmung".

Die vom Verkehrsministerium mit ins Leben gerufene Netzallianz mit Providern und anderen Beteiligten wie dem Städte- und Gemeindebund sowie Wissenschaftlern treffe sich im Oktober wieder zur großen Runde, erläuterte die Staatssekretärin den nahen Zeitrahmen. Dann solle das angekündigte "Kursbuch" fertig werden zum Status quo des Ausbaus mit angeschlossenen Haushalten und getätigten Investitionen.

Zuvor hatten Industrievertreter Felder für den künftigen Breitbandbedarf abgesteckt. Hans-Peter Grothaus, Entwicklungsleiter bei der Firma Claas Selbstfahrende Erntemaschinen, schwärmte vom "vernetzten Farm-Management" mit verschiedenen Partnern wie Saatgut- oder Sämaschinenherstellern. Dabei gehe es etwa auch darum, eine Art "virtuelles Flächengedächtnis" mit Einträgen etwa über große Steine oder andere Hindernisse in Äckern zu erstellen und den Maschinen zur Verfügung zu stellen. Erste Systemanbieter wie das Startup 365FarmNet hätten sich in diesem Bereich bereits etabliert.

Wolf Osthaus von Unitymedia KabelBW verwies auf die große Datenwelle, die mit Streaming und Video on Demand auf die Netze zukomme. Anbieter wie Netflix, die auf bestehende Leitungen aufsetzen, müssten sich dabei überlegen, wie sie die Inhalte am besten zum Kunden bekämen. Dazu könne es Sinn machen, auf "Content Delivery"-Systeme oder eigene Glasfasernetze wie Google zu setzen oder direkte "Peering-Abkommen" mit Zugangsanbietern abzuschließen. Die klassische Form der Zusammenschaltung des Datenverkehrs über ein freiwilliges Peering, für das in der Regel keiner etwas zahle, funktioniere für diese Videolieferanten aufgrund des hohen Ungleichgewichts der ausgetauschten Bits und Bytes jedenfalls nicht mehr.

Als besonders bandbreitenhungrig brachte Martin Vesper von DigitalStrom zudem die Heimvernetzung ins Spiel. Die Anwendungen für einzelne Hausgeräte werden sich ihm zufolge hauptsächlich in der Cloud befinden, sodass der Kunde dort "immer auf den besten Algorithmus" etwa für die Heizungssteuerung zugreifen könne. Basis dafür sei unter anderem eine "vernünftige verdrahtete IP-Infrastruktur" in den Häusern, WLAN reiche für diese Zwecke kaum aus. Die Firma selbst setzt für den Zusammenschluss von Heimgeräten auf eine intelligente Lüsterklemme, die über die Stromleitung kommuniziert. (Stefan Krempl) / (axk)

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