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Breitbandabbau: Telekom kündigt zehntausende VDSL-Anschlüsse in Niedersachsen

Die Deutsche Telekom kann sich im Nordwesten mit dem Platzhirsch EWE nicht auf einen Mietvertrag für VDSL-Leitungen einigen. Zahlreiche Kunden sollen in dem Vectoring-Streit daher nun auf deutlich weniger Bandbreite herabgestuft werden.

Deutsche Telekom

(Bild: dpa, Oliver Berg/Archiv)

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Viele niedersächsische Kunden der Deutschen Telekom reiben sich derzeit verwundert die Augen. Der Bonner Konzern informiert sie in diesen Tagen darüber, dass "wir das Telekommunikationsnetz der Zukunft bauen". Leider gebe es aber einige Gebiete, in denen dies derzeit nicht möglich sei. Die Folge: "Wir können deshalb auch bereits bestehende VDSL-Angebote nicht mehr aufrechterhalten." Es sei nötig, "an Ihrem Wohnort" die entsprechende Technik zu entfernen. Daher werde der bestehende Vertrag zum Ende der Laufzeit gekündigt, falls die Betroffenen nicht auf einen anderen "Breitbandanschluss im Festnetz" umsatteln wollten.

Auf Twitter beschweren sich Nutzer, dass sie von einem VDSL-Anschluss mit bis zu 50 MBit/s auf eine Verbindung mit 16 MBit/s herabgestuft werden sollen. Auslöser ist ein Streit über den Zugang zu Leitungen auf Basis des VDSL-Turbos Vectoring mit dem örtlichen Konkurrenten EWE, wie der NDR berichtet. Das niedersächsische Versorgungsunternehmen sei dort für den Netzausbau zuständig; beide Seiten könnten sich aber nicht auf einen Vertrag einigen, auf dessen Basis die Telekom die von EWE modernisierten Verbindungsstränge nutzen dürfte.

Beim Vectoring sind mit VDSL bis zu 100 MBit/s erreichbar, technikbedingt bleibt aber anderen Anbietern der Zugriff auf die Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) in dem Bereich verwehrt. Als Ersatz sind nur lokale virtuell entbündelte Zugangsprodukte möglich, die einer entbündelten TAL nahe kommen sollen. Mitbewerber des Altmonopolisten werden zu einem solchen Ansatz aber nicht verpflichtet. Vielfach hat die Telekom selbst den ersten Zugriff auf die Hauptverteiler nebst TAL. Im niedersächsischen Fall ist aber EWE am Drücker und in dem Streit über die Zugangsbedingungen und den Mietpreis kommen die beiden Wettbewerber offenbar auf keinen gemeinsamen Nenner. Der Bonner Riese kann seinen Kunden so derzeit nur noch ADSL offerieren, da diese Variante der Kupferkabeltechnik über weitere Strecken von zentralen Punkten aus lieferbar ist.

Laut NDR ist die Zahl der betroffenen Anschlüsse, die in Branchenkreisen kursiert, "alarmierend". Allein im Versorgungsgebiet der EWE sollen die Bonner rund 30.000 Kunden auf ihrer Streichliste haben. Ein Sprecher wollte gegenüber dem Sender die kursierenden Zahlen nicht kommentieren. Er bestätigte aber den Vorgang als solchen und betonte dem Bericht zufolge: "Wir machen das nicht aus Jux und Dollerei." Der Telekom-Kundenservice unterstrich auf Twitter: "Wir tun das wirklich nur sehr ungerne." Der Rückbau basiere auf einer "Entscheidung der Bundesnetzagentur". Zuvor waren auch entsprechende Fälle aus Rheinland-Pfalz und Thüringen bekannt geworden.

Bei schnelleren Leitungen kooperieren EWE und die Telekom dagegen. So kündigten sie im Dezember an, zusammen bis zu zwei Milliarden Euro in den Ausbau des Glasfasernetzes im Nordwesten investieren und die Infrastruktur im Einklang mit dem Open-Access-Prinzip auch Dritten öffnen zu wollen. Vectoring gilt generell als Brückentechnologie. Der designierte Chef des Bundeskanzleramts, Helge Braun (CDU), hat daher gerade eine "neue Förderstrategie" beim Breitbandausbau angekündigt. Vectoring soll demnach dabei nicht mehr staatlich finanziert werden, nur noch Glasfaser.

[Update 13.03.2018 7:46]:

Ein EWE-Sprecher erklärte gegenüber heise online, dass das Unternehmen mit der Telekom bereits eine Vereinbarung geschlossen habe, um gegenseitig VDSL-Leistungen einzukaufen. Wer heute 40 MBit/s im Download bei der Telekom erhalte und in einem EWE-Nahbereich wohne, könne künftig bis zu 80 oder 90 MBit/s erhalten – prinzipiell von beiden Anbietern. Dieser Vertrag existiere und komme bereits zur Anwendung. Bis spätestens Mitte Februar 2019 stünden die höheren Bandbreiten zur Verfügung. Zusatzprodukte wie das IPTV-Angebot Entertain der Telekom könnten darüber aufgrund technischer Hürden aber nicht angeboten werden. (Stefan Krempl) / (bme)

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