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Breitbandausbau: Glasfaser mit 1 Gbit/s auf dem Land

Während Politik und Wirtschaft in Berlin übers Vectoring streiten, nehmen manche Kommunen ihre Zukunft selbst in die Hand. Die bayrische Gemeinde Markt Indersdorf hat jetzt ein eigenes Glasfasernetz, das in Zukunft 1 Gbit/s zum Kunden bringen soll.

Breitbandausbau: Glasfaser mit 1 Gbit/s auf dem Land

Staatsminister Söder (Mitte) gibt mit KMS-Chef Schmidt und Bürgermeister Obesser (von links) das Netz frei.

(Bild: StMFLH Bayern)

So geht Breitband: Mit einem eigenen Glasfasernetz will die Gemeinde Markt Indersdorf ihre Bürger künftig mit Bandbreiten von bis zu 1 Gbit/s versorgen. Grundlage ist ein von der Kommune gebautes Glasfasernetz, das Bürgermeister Franz Obesser und der bayrische Staatsminister Markus Söder (beide CSU) am Mittwoch in Betrieb genommen haben. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von 9,5 Millionen Euro wurde innerhalb von zwei Jahren weitgehend fertiggestellt.

In 18 Monaten Bauzeit wurden in der Gemeinde 930 Kilometer Glasfaser auf 108 Kilometer Netzstrecke verlegt. Das sternförmig aufgebaute Netz bringt vier Glasfasern direkt in die Wohnungen und Gebäude (FTTB/H). Nach dem GPON-Standard werden Downstream und Upstream auf einer Faser gleichzeitig mit zwei separaten Wellenlängen übertragen. Das kommunale Netz erreicht Gewerbebetriebe und rund 3500 Haushalte in allen 59 Ortsteilen der knapp 9500 Einwohner zählenden Marktgemeinde.

Betrieben wird das Netz von der Kabel & Medien Service (KMS), einer Tochter des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus. Neben HD-Fernsehen und Telefondiensten bietet der Provider auch Internetzugänge mit bis 100 Mbit/s an. Für den 100-Mbit-Zugang berechnet der Anbieter 40 Euro monatlich, Fernsehen und Telefon-Flatrate schlagen mit jeweils 5 Euro zusätzlich zu Buche. Ab August sollen den Bürgern dann auch Anschlüsse mit 400 Mbit/s zur Verfügung stehen. Ab Jahresende soll die verfügbare Geschwindigkeit dann abschnittsweise auf 1 Gbit/s erhöht werden.

Der kommunale Glasfaserausbau geht auf eine Bürgerinitiative zurück, die im Gemeinderat auf offene Ohren traf. Das Modell, dass Kommunen das Netz in Eigenleistung bauen und die Kosten durch Verpachtung an den Betreiber wieder einspielen, ist auch in anderen Gemeinden schon erfolgreich angewandt worden. In Markt Indersdorf gingen die ersten Anschlüsse bereits im September 2015 in Betrieb, jetzt ist das Netz weitgehend fertig. Für den Erfolg war eine Anschlussquote von 60 Prozent der Bürger nötig, 70 sollen es laut Betreiber inzwischen sein.

„Das Gigabit-Netz in Markt Indersdorf ist ein Leuchtturmprojekt", sagte KMS-Geschäftsführer Rüdiger Schmidt. "Es weist Kommunen den Weg, wie die digitale Sicherung einer zukunftsfähigen Breitbandversorgung mit den geeigneten Partnern gelingen kann." Staatsminister Söder ergänzte, das Netz habe einen "fundamentalen Nutzen für alle Generationen und die gesamte Gesellschaft" und freute sich, dass Indersdorf ganz ohne Hilfe des Freistaats zur "Zukunftsgemeinde" geworden sein. (vbr)

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