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Breitbandausbau: Politik und Wirtschaft streiten über Glasfaser und Vectoring

Langfristig sind sich alle einig, dass die Glasfaser der Königsweg zum Breitbandausbau ist. Umkämpft ist, ob als Zwischenlösung der DSL-Turbo Vectoring gefördert werden soll.

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(Bild: dpa, Bernd Weißbrod)

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Verhalten reagierte Ulrich Lange, Vorsitzender der Arbeitsgruppe digitale Infrastruktur der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am Mittwoch auf einem Breitband-Symposium des FTTH Council in Berlin auf die Initiative mehrerer Branchenverbände, binnen einer Dekade eine möglichst flächendeckende Glasfaserversorgung zu erreichen. Die große Koalition habe sich den klaren Auftrag gegeben, bis 2018 "50 MBit/s für alle" zu erreichen, meinte der Abgeordnete. Er mahnte, dass durch die Initiative aus der Wirtschaft "nicht ein Teil des Landes durch den Rost fallen darf".

Glasfaser könne "langfristig eine Option" sein, sagte Lange. Von den rund 2,7 Milliarden Euro, die der Bund in den nächsten drei Jahren in die Breitbandversorgung stecken wolle, komme aber über eine Milliarde aus dem Zukunftsprogramm der Bundesregierung. Dieses laufe nur bis 2018 und die Mittel müssten bis dahin ausgegeben werden. Auf längere Zeiträume ausgerichtete Glasfaserprojekte kämen so nicht dafür in Frage.

Jost Hermanns vom Kölner Anbieter NetCologne freut sich grundsätzlich darüber, dass die Bundesnetzagentur in einem noch umkämpften Verfahren zunächst die zweite Vectoring-Stufe zünden wolle. Dies bedeute "100 MBit/s für mindestens 35 Prozent der angeschlossenen Haushalte, zugleich bringen wir die Glasfaser bis zum Kabelverzweiger". Dies sei keine Fehlinvestition, da wir "von diesem Gehäuse aus mit einem weiteren daneben die nächsten 300 Meter bis zum Haus gehen". Verhindert werden müsse aber, dass die Deutsche Telekom mit Vectoring nur den Nahbereich ausbaue, nicht in die Fläche gehe und dafür noch "die meisten Fördermittel" einstreiche.

Im Gegensatz zu anderen Branchenvertretern begrüßte Hermanns, dass Google, Apple, Netflix und Amazon übers Internet verstärkt Videos und Fernsehprogramme anbieten: "Sonst hätten wir immer noch 2 MBit/s." Es sei wichtig, die vorhandenen Netzinfrastrukturen auszulasten.

"Wir haben heute noch viel zu viel Bandbreite, die nicht abgerufen wird", ergänzte Martin Witt von 1&1. Der Bedarf an Netzkapazitäten steigere sich aber jährlich um 35 bis 40 Prozent. "Wir brauchen die Gigabit-Gesellschaft 2030", meinte der Providervertreter daher. Auf dem Weg dorthin müssten die Zugangsanbieter es schaffen, sowohl Video on Demand und innovative Produkte zu übertragen, als auch das "Best Effort"-Internet zu verbessern, in dem gemäß dem Prinzip der Netzneutralität Pakete gleich behandelt werden.

Das Regierungsziel "50 MBit/s für alle" bezeichnete Martin Schell vom Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut als "wichtiges Element der Regionalförderung". Für die künftige industrielle Wettbewerbsfähigkeit seien Gigabit-Verbindungen für 50 bis 80 Prozent der Unternehmen aber entscheidender. Als Treiber gewaltiger Datenraten sieht der Forscher neben Video und dem Internet der Dinge vor allem die Industrie 4.0 mit Möglichkeiten zur Echtzeitmodulierung übers Netz sowie die "personalisierte Medizin".

Als "großes Hemmnis" kritisierte Klaus Ritgen vom Deutschen Landkreistag die "Fixierung auf das 2018-Ziel". Größere Glasfaserprojekte ließen sich bis zu diesem Stichtag nicht realisieren. "Wir brauchen viel mehr Dynamik im Ausbau", forderte auch die rheinland-pfälzische Staatssekretärin Heike Raab: "Wir wollen Glasfaser am besten überall und flächendeckend haben." Die grüne Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner warnte davor, Fördergelder an "veraltete Kupfertechnologien" zu binden. Die Politik müsse sich jetzt entscheiden, ob sie den Netzausbau "mit Siebenmeilenstiefeln oder mit 7-Millimeter-Stiefeletten angehen" wolle. (vbr)