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Breko-Aussteiger gründen Glasfaser-Verband

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Die beiden aus dem Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) ausgetretenen Netzbetreiber Netcologne und M-Net gründen zusammen mit anderen Regional-Carriern eine eigene Interessenvertretung für die Glasfaserbranche. Der neue "Bundesverband Glasfaseranschluss" soll sich künftig für stabile Rahmenbedingungen einsetzen, um "dem dringend erforderlichen Breitband-Infrastrukturausbau die notwendige Planungssicherheit zu verleihen", teilten die Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung am heutigen Donnerstag mit.

Zusammen mit den Kölnern und Münchnern gehören die Unternehmen wilhelm.tel (Norderstedt), willy.tel (Hamburg), Stadtwerke Schwerte (Schwerte), Heli Net (Hamm), accom (Aachen), VSE NET (Saarbrücken) und HL Komm (Leipzig) zu den Gründungsmitgliedern der neuen Lobby-Truppe. Die Anbieter investieren in den Ausbau ihrer Glasfasernetze und wollen bis 2012 zusammen rund 1 Million Haushalte mit Glasfaseranschlüssen versorgen. Offen bleibt zunächst, ob die auch im Brekoverband engagierten vier Mitgründer – accom, Heli Net, HL Komm und VSE NET – ebenfalls austreten wollen. Entsprechende Überlegungen soll es allerdings geben.

Dem Breko zumindest liegen keine weiteren Austrittsgesuche vor. "Ganz gelassen" sieht die Breitband-Lobby ihre neue Konkurrenz. "Wir halten den Glasfaserverband für überflüssig", kommentiert eine Breko-Sprecherin die Neugründung. Aber sie hält auch Doppel-Mitgliedschaften für möglich. Allerdings sei es gar nicht so einfach, eine neue Interessenvertretung aus dem Hut zu zaubern, gibt sie zu bedenken. "Wir sind seit gut zehn Jahren am Start und haben uns unser Standing hart erarbeitet." Wie und wo sich der neue Glasfaserverband aufstellen wird, ist tatsächlich noch nicht klar. Bis April soll das wohl geklärt sein, als Standort ist Köln im Gespräch.

In einer ersten Stellungnahme fordert der Verband die Bundesregierung auf, den Breitbandausbau auf Bundes- und EU-Ebene durch Fördermittel zu unterstützen. Nur so könne eine "größmögliche Abdeckung" mit schnellen Internetanschlüssen erreicht werden. Die Bundesregierung will sich verstärkt um das Thema Breitband kümmern und Mittel aus dem Konjunktupaket in den Netzausbau fließen lassen. Bis 2014 sollen drei Viertel aller Haushalte mit mindestens 50 MBit/s surfen können, 2018 soll schließlich ganz Deutschland mit dieser Bandbreite ins Internet gehen können. Als weiteres Ziel formuliert der neue Verband die Entwicklung von branchenweiten Standards etwa für "Open-Access-Modelle".

Ein Thema, an dem sich der Streit im Breko entzündet hatte und das dann zum Austritt der beiden Abtrünnigen geführt hatte, ist die Preisgestaltung für Infrastrukturvorleistungen. Die Bundesnetzagentur entscheidet im März etwa über die Miete für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL), die letzte Meile Kupferdraht zum Kunden. Die von anderen Branchenverbänden geforderten Senkungen für die Teilnehmeranschlussleitung (TAL-) und Bitstromvorleistungen der Deutschen Telekom gfährden nach Ansicht der neuen Glasfaser-Lobby den Ausbau der Infrastruktur und "entziehen dem Markt notwendiges Umsatzpotenzial".

Damit rücken die Glasfaseranbieter regulierungspolitisch in die Ecke der Telekom und liegen über Kreuz mit anderen Netzbetreibern, die im Breko und im Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) organisiert sind. Die pochen turnusgemäß auf deutliche Nachlässe bei den Gebühren für Vorleistungen der Telekom, die vom Regulierer in regelmäßigen Abständen neu festgelegt werden. Der neue Verband wünscht sich dagegen eine Regulierung, die Investitionen in Infrastruktur vor dem harten Preiswettbewerb schützt. Billigere Vorleistungen, lautet das Argument, drehen die Preisschraube weiter nach unten und erschweren die Rentabilität neuer Netze.

Das stößt auch beim VATM auf Kritik. Die Kölner Lobby-Truppe wundert sich über die neue Konkurrenz und warnt vor einer Zersplitterung in Partikularinteressen. "Wettbewerb belebt das Geschäft", begrüßt zwar VATM-Chef Jürgen Grützner den neuen Player. Doch seien die Ziele der Branchenunternehmen im Grunde nicht sehr unterschiedlich, betont der Verbandschef gegenüber heise online. Es ginge allgemein um eine verträgliche Regulierung, dafür müsse man "nicht für jedes Geschäftsmodell einen eigenen Verband gründen".

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(vbr)