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Bremer Universität feiert Umweltsatelliten Envisat

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Mit einer symbolischen Übergabe des Atmosphärensensors SCIAMACHY feiert heute die Bremer Universität den neuen europäischen Umweltsatelliten Envisat. Der Satellit Envisat wurde 15 Jahre lang von der europäischen Weltraumorganisation ESA entwickelt und soll Anfang 2002 von Kourou aus in seine Umlaufbahn geschossen werden. Wissenschaftler vom Institut für Umweltphysik der Universität Bremen sind am Envisat-Projekt beteiligt und werden Satellitendaten für die Entwicklung von Computermodellen nutzen, mit denen sich chemische Vorgänge in der Erdatmosphäre simulieren lassen.

Der Satellit von der Größe eines Linienbusses hat zehn Intrumente an Bord, die der präzisen Erdbeobachtung dienen. Mittels Radar tastet Envisat den Erdboden ab und misst in seiner 800 Kilometer hohen Umlaufbahn die exakte Flughöhe mit einer Genauigkeit von 4,5 Zentimetern. Damit lässt sich beispielsweise die Form des Meeresbodens recht exakt bestimmen: Die Schwerkraft sorgt dafür, dass sich die Meeresoberfläche dem Meeresgrund ausbeulend anpasst.

Mit gleich drei Instrumenten beobachtet Envisat die Luftschicht. GOMOS (Global Ozone Monitoring by Occultation of Stars) misst das Lichtspektrum von Sternen durch die oberen Luftschichten hindurch, sobald diese Sterne über dem Horizont aufgehen und kümmert sich um Wasserdampf und Ozon in den Höhen von 20 bis 100 Kilometern. Das "Michelson Interferometer for Passive Atmospheric Sounding" (MIPAS) beobachtet Spurengase im mittleren Infrarotspektrum. MIPAS erkennt vor allem Industrieabgase und Gase, die am Treibhauseffekt beteiligt sind.

SCIAMACHY (Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric Chartography) ist das vielseitigste Instrument auf Envisat. Dieses Spektrometer beobachtet die Sonne durch die Atmosphäre hindurch und löst deren Spektrum in 8000 Farben auf. Die Luft filtert je nach Zusammensetzung einige Farben mehr oder weniger aus dem Sonnenlicht heraus. SCIAMACHY kartographiert so die Chemie der Erdatmosphäre bis auf den Erdboden herunter. Die ganze Erdatmosphäre wird periodisch innerhalb weniger Tage vollständig abgedeckt. Die Luftzusammensetzung lässt Rückschlüsse auf Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche und Umweltschäden durch industrielle Emissionen zu.

Industrielle Emissionen schädigen insbesondere die dünne Ozonschicht in der oberen Atmosphäre, die das Leben auf der Erde vor der harten Ultraviolettstrahlung der Sonne schützt. Die Ozonschicht befindet sich in einem ständigen Auf- und Abbau; ihre Chemie ist sehr komplex und bis jetzt nicht vollständig verstanden. Envisat-Daten sollen hier neue Erkenntnisse bringen: "Ich sehe meine Hauptaufgabe erst einmal darin, dafür zu sorgen, dass dieses Instrument Daten sehr hoher Qualität liefern wird", sagt der an SCIAMACHY beteiligte Bremer Physiker Dr. Michael Buchwitz. Er will damit der Umweltpolitik verbesserte Entscheidungsgrundlagen liefern, darauf hoffend, dass seine Daten "unsere Umwelt in Richtung auf etwas Besseres beeinflussen" werden. (Holger Bruns) / (jk)