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Brexit: EU-Kommission droht mit Kündigung von über 300.000 britischen .eu-Domains

Mit dem Ausscheiden aus der EU können Organisationen und Bürger aus Großbritannien keine Webadressen unter der Top Level Domain .eu mehr registrieren, hat die EU-Kommission verdeutlicht. Bestehende Einträge dürften sogar widerrufen werden.

Brexit

(Bild: Alexa_Fotos)

Im Poker um einen Vertrag über einen "geordneten Rückzug" Großbritanniens aus der EU hat die EU-Kommission im Internetbereich drastische Maßnahmen angekündigt. In einer am Mittwoch unvermittelt veröffentlichten Mitteilung stellt die Generaldirektion für Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien zunächst klar, dass mit dem Tag des Ausscheidens britische Firmen, Organisationen oder Bürger "nicht länger berechtigt sein werden, Domainnamen mit der Endung .eu zu registrieren". Zudem dürften Registrierungsstellen ab diesem Termin einschlägige Webadressen der Betroffenen nicht mehr verlängern.

Diese Ansage deckt sich mit der laufenden Rechtsprechung. So hatte der Gerichtshof der Europäischen Union schon 2012 entschieden, dass Unternehmen, die eine Marke als .eu-Domainnamen anmelden, diese auch selbst gewerblich nutzen und in einem Mitgliedsstaat sitzen müssen. Für nichteuropäische Firmen sind die entsprechenden Adressen also nicht gedacht. Zumindest mit traditionellen Gepflogenheiten der technischen Internetgemeinde droht die Kommission aber mit ihren weiteren Ausführungen zu brechen: So kündigt sie an, dass bestehende britische .eu-Adressen mit dem Stichtag Ende März 2019 ohne Widerspruchsrecht gekündigt werden könnten.

Wenn die allgemeinen Kriterien für den Besitz einer virtuellen .eu-Heimstätte nicht mehr gegeben seien, stehe es der zuständigen Registrierungsinstanz offen, "solche Domainnamen in Eigeninitiative abzuerkennen", schreibt die Generaldirektion der Brüsseler Regierungseinrichtung. Bei einem solchen Vorgang sei es auch nicht nötig, diesen vorab einer außergerichtlichen Schiedsstelle vorzulegen.

Derzeit gebe es rund 317.000 .eu-Adressen, die in Großbritannien registriert seien, rechnet The Register vor. Dies entspreche rund einem Zehntel der gesamten Einträge bei der Verwalterin der europäischen Top Level Domain (TLD), Eurid. Diese Menge an Adressen einfach zu stornieren, hätte nicht nur einen großen Einfluss auf das Budget der Registrierungsinstanz, sondern auch auf das der EU. Die Gemeinschaft erhalte jährlich einige Millionen Euro an Überschüssen von Eurid. Die Registrierstelle hatte 2007 die Preise für die Inanspruchnahme von .eu-Domains und deren jährliche Erneuerung von zehn auf fünf Euro gesenkt, macht damit aber immer noch ein ganz gutes Geschäft.

Eurid zeigte sich am Donnerstag völlig überrascht von den Plänen der Kommission. Man habe den Link dazu auch erst kurzfristig erhalten, heißt es bei der Domainverwaltung. Zugleich hebt sie eine Passage in dem Hinweis hervor, wonach sich die geplante Vorgehensweise noch ändern könnte. falls es zum Abschluss eines Übergangsvertrags mit London komme. Offenbar hofft Eurid so darauf, dass es bei der Mitteilung vor allem um einen Einsatz am Verhandlungstisch geht. Bisher ist es in der Internetwirtschaft üblich, dass einmal vergebene TLDs möglichst lange aufrechterhalten werden und darunter registrierte Adressen eine Art Bestandsschutz genießen. Dahinter steht die Idee, einmal geknüpfte Verbindungen aufrechtzuerhalten. (Stefan Krempl) / (bme)

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