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Britische Gendatenbank sammelt Daten einer Million Minderjähriger

Großbritannien unterhält die größte forensische DNA-Datenbank der Welt. Die "DNA-Database" erfasst 4,4 Millionen Personen, das entspricht 7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Seit Beginn der Datenbank wurde bereits die DNA von über einer Million Minderjährigen registriert, berichtet die britische Zeitung Telegraph.

Die britische Gendatenbank enthält mehr als 70 Prozent aller DNA-Profile, die in allen nationalen Datenbanken der EU registriert sind; sie existiert seit 1995. Seither wurden nach Informationen der Zeitung, die sich auf offizielle Zahlen stützt, im Laufe der Zeit 1,07 Millionen DNA-Profile von Minderjährigen hinzugefügt. Darunter waren 100.000 Kinder, die unter 13 Jahre alt waren, als ihre DNA erfasst wurde. Mehr als 500.000 waren zwischen 13 und 15 Jahre alt. In den letzten drei Jahren wurden knapp unter 50.000 Kinder unter 13 Jahren und etwa 200.000 Teenager zwischen 13 und 15 Jahren neu erfasst. Laut Telegraph sei man bislang von viel niedrigeren Zahlen ausgegangen, weil die Regierung immer nur Schätzungen der momentan erfassten Minderjährigen präsentierte. Im Augenblick wären das etwa 344.000 Personen unter 18 Jahren.

Politisch brisant ist dies, weil die Polizei mit Minderjährigen Personen erfasst, für welche die Unschuldsvermutung im besonderen Maß ausgelegt ist. Seit 2004 kann die Polizei von allen Personen, die einer Straftat verdächtigt werden, ein DNA-Profil erstellen und unbefristet speichern – selbst wenn die Person vor Gericht für unschuldig erklärt oder aus Mangel an Beweisen freigesprochen wird. Das heißt, dass unschuldige 12-Jährige theoretisch ihr ganzes Leben lang in der Datenbank verurteilter Verbrecher bzw. Verdächtiger gespeichert bleiben können. Oppositionspolitiker klagen die Regierung nun an, dass sie Kinder "als Beute missbrauchen" würde, um heimlich die größte DNA-Datenbank der Welt zu schaffen. Kritisiert wird neben der mangelnden Fürsorge gegenüber Unschuldigen auch, dass Minderjährige, die nur leichte Vergehen begangen hätten, in der Datenbank erfasst seien, dagegen aber nicht Erwachsene, die wegen schwerer Verbrechen verurteilt wurden, bevor die Gendatenbank errichtet worden war.

Die Sprecherin der Bürgerrechtsgruppe GeneWatch monierte, dass die DNA von Unschuldigen und deren Angehörigen zur Überwachung missbraucht und private genetische Informationen preisgegeben werden könnten. GeneWatch hatte vor zwei Jahren schon einmal kritisiert, dass die Aufklärungsquote mit dem wachsenden Datenbestand nicht ansteige.

Dessen ungeachtet gab ein führender Mitarbeiter des Staatsunternehmens Forensic Science Services laut Telegraph vor Kurzem bekannt, dass die Datenbank bis 2012 wahrscheinlich doppelt so groß sein werde – mit DNA-Daten von einem Sechstel der erwachsenen Bevölkerung. Derzeit wächst die Datenbank wöchentlich um 15.000 Profile. Laut Zeitung wird die Zahl derjenigen Registrierten, die sich niemals wegen eines Verbrechens oder Vergehens zu verantworten hatten, gegenwärtig auf 730.000 geschätzt. Möglicherweise müssen sie bald aus der Datenbank entfernt werden: Britische Rechtsanwälte haben den Fall von zwei Männern aus Sheffield, deren DNA registriert ist, vor den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gebracht. Sie sehen die Rechte ihrer Klienten verletzt, da sie niemals eines Verbrechens für schuldig befunden wurden.

Siehe dazu in Telepolis:

(tpa)

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