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Britische Internetnutzer zeigen Pornofiltern die kalte Schulter

Nur vier bis acht Prozent der Neukunden großer britischer Provider lassen die voreingestellten Jugendschutzsysteme aktiv, hat der britische Regulierer Ofcom bekannt gegeben. Nutzerabhängige Filter erfahren mehr Zuspruch.

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Die große Mehrheit neuer Kunden der vier großen britischen Internetprovider deaktiviert die netzseitigen Pornofilter, die Zugangsanbieter im Vereinigten Königreich auf Regierungsgeheiß hin vorinstallieren. Dies melden britische Medien, die sich auf die Präsentation eines Berichts der nationalen Regulierungsbehörde Ofcom stützen.

BT, Sky, TalkTalk und Virgin Media hatten vor einem Jahr als größte Provider im Festnetz eine Vereinbarung mit dem federführenden Medienministerium zum Einführen der Jugendschutzsysteme getroffen. Mit Ausnahme von Virgin Media haben alle bereitwilligen Zugangsanbieter die voreingestellten "familienfreundlichen" Filter seit Dezember implementiert, erläutert die Ofcom. Im Februar habe auch der Nachzügler begonnen, zumindest rund 35 Prozent seiner Neukunden von Anfang an mit dem Schutzsystem zu konfrontieren.

Wer online ein Rezept für den traditionellen britischen Pudding "Spotted Dick" sucht, muss sich beim "Department of Dirty" rechtfertigen - so veralbern britische Bürgerrechtler den Pornofilter.


Die Akzeptanzquoten sind aber relativ gering. Bei Virgin Media lassen nur vier Prozent der Betroffenen den Filter laufen, bei BT sind es fünf, bei Sky acht Prozent. Der Regulierer betonte, dass diese Zahlen gleich beim Aktivieren der Nutzerkonten gemessen worden seien. Es sei jederzeit möglich, dass Kunden später das System wieder reaktivierten. TalkTalk hatte freiwillig bereits zwei Jahre vor der Absprache mit der Regierung ein eigenes Jugendschutzprogramm ins Feld gebracht, für das sich 36 Prozent der Vertragssurfer entscheiden.

Die Ofcom geht davon aus, dass mittlerweile insgesamt 40 Prozent der vernetzten britischen Haushalte mit Kindern über einen Filter für Kinder und Jugendliche der einen oder anderen Art verfügen. Bei BT etwa verwenden neun Prozent der Kunden vom Nutzer selbst einstellbare solche Programme, was in etwa den genannten 40 Prozent der Heime mit besonders schutzbedürftigen Personen entsprechen soll.

Die Effizienz der netzseitigen Filter hat die Regulierungsbehörde nicht untersucht. Britische Bürgerrechtler hatten jüngst bekannt gemacht, dass die Pornoblocker offenbar deutlich übers Ziel hinausschießen und rund ein Fünftel der beliebtesten Webseiten sperren. Auch hierzulande rufen Jugendschützer trotzdem immer wieder nach vorinstallierten Filtern. (axk)