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Britische Musiker legen sich mit Spotify an

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Der britische Musikproduzent Nigel Godrich und der Musiker Thom Yorke greifen das Geschäftsmodell von Musikstreaming-Diensten an. Die Alben "Eraser" von Yorke, das von Godrich produziert wurde, "Amok" von Atoms for Peace, an dem ebenfalls beide beteiligt sind, sowie das Album "Ultraísta" des gleichnamigen Godrich-Projekts haben sie nun aus dem Streamingdienst Spotify zurückgezogen.

Godrich begründete den Schritt in einer Serie von Mitteilungen via Twitter unter anderem damit, Spotifys Geschäftsmodell begünstige finanziell die großen Plattenfirmen mit ihren großen Backkatalogen und benachteilige neue Musikproduktionen, da die Einnahmen nach dem prozentualen Anteil am Streaming aufgeteilt würden. So könnten Plattenfirmen an einem 40 Jahre alten Album eines verstorbenen Künstlers verdienen, während neue Musiker zu kurz kämen.

Die Musikindustrie versuche, das Streaming-System in ihren Würgegriff zu bekommen, schreibt Godrich. Hätte es 1973 bereits Streamingdienste gegeben, wäre das Album "The Dark Side of the Moon" von Pink Floyd aber wohl nicht produziert worden, da es zu teuer gewesen wäre. Thom Yorke sprang ebenfalls auf Twitter Godrich bei. Es gehe ihnen nicht um ihren eigenen Erfolg, sondern um das Wohlergehen der Musikerkollegen. Alben der Band Radiohead, deren Frontmann Yorke ist, sind auf Spotify allerdings noch verfügbar.

Spotify-Chef Daniel Ek widerspricht den beiden Kritikern, ebenfalls in einer Serie von Tweets, und verweist auf einen Kommentar des Journalisten Duncan Geere für Techradar. Dieser schreibt, es sei tatsächlich für neue Bands schwieriger geworden, Geld zu verdienen, doch sei das nicht auf Angebote wie Spotify zurückzuführen. Aufgrund des bis heute stark angestiegenen Angebots sei Musik insgesamt nicht mehr so viel wert wie früher. Die Musiker hätten aber die Möglichkeit, über den Verkauf ihrer Alben hinaus auch auf andere Weise an Geld zu kommen, zum Beispiel über Konzerte, Merchandising und Fernsehauftritte.

Weiter schreibt Geere, für neue Musiker sei es wesentlich einfacher, über den Streamingdienst Werke anzubieten als mit ihren Produktionen in einen Plattenladen, in eine der großen Radiostationen oder auf MTV an ein größeres Publikum zu kommen. Auch sorge Spotify dafür, dass weniger Musik raubkopiert werde. Als einen weiteren Vorteil des Streamingdienstes stellt Geere heraus, dass es einfach sei, Musikstücke weiterzuempfehlen.

Nach Angaben der britischen Zeitung The Guardian zahlen Musikstreamingdienste durchschnittlich 0,4 Pence pro Stream, das ergebe für eine Million Streams 3800 Pfund (4400 Euro). Die meisten Songs erreichten aber diese Menge nicht. Spotify stellte dem entgegen, bisher 500 Millionen US-Dollar an Rechteinhaber ausgezahlt zu haben; bis Ende 2013 würden es eine Milliarde sein. Davon werde viel Geld für neue Talente abgezweigt. (anw)