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Britische Musikindustrie greift Regierung an

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Der Verband der britischen Musikindustrie BPI zeigt sich von der britischen Regierung enttäuscht. Diese hat sich dazu entschlossen, sich nicht bei der EU-Kommission für eine Verlängerung des Zeitraums, nach dem das Copyright abläuft, einzusetzen. Für Musikaufnahmen wollte die Branche diese Copyright-Frist von 50 auf mindestens 70 Jahre ab Datum der Veröffentlichung hochsetzen. Die Regierung handle entgegen einer Empfehlung des Ausschusss für Kultur, Medien und Sport des britischen Unterhauses und lasse die britischen Musiker im Stich, heißt es in einer BPI-Mitteilung.

BPI-Chef Geoff Taylor meint, die Regierung habe die Sicht der Künstler, Gewerkschaften, Manager, Plattenfirmen und schließlich des Ausschusses ignoriert. IFPI-Chef John Kennedy meint, den Künstlern würden ihre Werke genommen und die Plattenfirmen ihrer Investitionen beraubt. Die britische Musikindustrie will ihren Kampf für eine Verlängerung der Copyright-Fristen in Europa nun ohne Unterstützung der Regierung fortführen.

Das Culture, Media & Sport Select Committee hatte sich im Mai für eine Verlängerung der Frist ausgesprochen. Allein auf diese Empfehlung verweist die BPI. Allerdings hatte sich Ende vorigen Jahres das britische Schatzamt im Gowers-Bericht bereits gegen eine Verlängerung gewandt. Auf diesen bezieht sich das Ministerium für Kultur, Medien und Sport in einer Antwort (PDF-Datei) auf die Empfehlungen des Ausschusses. Es sieht derzeit keinen Handlungsbedarf, in dieser Sache bei der EU-Kommission vorstellig zu werden.

Die Mehrheit der Künstler würde nicht von einer Verlängerung der Copyright-Frist profitieren, da sie Verträge mit Plattenfirmen haben, durch die sie Einnahmen an diese weiterleiten müssen, greift das Ministerium Argumente aus dem Gowers-Bericht auf. Eine Verlängerung hätte auch einen negativen Einfluss auf die Handelsbilanz und würde nicht zu neuen Werken anregen. Außerdem würden die Kosten der Verbraucher und der Wirtschaft insgesamt steigen, beispielsweise in jenen Branchen wie Einzelhandelsgeschäften oder Restaurants, in denen Musik gespielt wird. Das Ungleichgewicht zu Ländern wie den USA, in denen eine Frist von 95 Jahren gilt, wiege nicht so schwer wie die negativen Auswirkungen für die britische Wirtschaft.

Die Copyright-Fristverlängerung wird von Musikern wie Cliff Richards gefordert. Dieser hatte argumentiert, auch wenn ab 2008 erste Copyrights für seine Hits ausliefen, sei er in der glücklichen Lage, mit späteren Erfolgen weiterhin Geld einnehmen zu können. Er wolle sich aber für Künstler wie Tommy Steele, Adam Faith und Lonnie Donegan sowie deren Nachkommen einsetzen, die es nicht auf so viele Hitparadenerfolge gebracht haben, und die demnächst nicht mehr von Veröffentlichungen ihrer Stücke profitieren würden.

In dieses Horn stößt auch Roger Daltrey von der Band The Who, dessen Copyrights für die ersten Veröffentlichungen in sieben Jahren auslaufen: "Tausende Musiker haben keine Altersabsicherung und sind von Tantiemen abhängig." Diese Menschen hätten die britische Musikindustrie zu einer der erfolgreichsten der Welt verholfen und das Leben der Menschen bereichert. "Sie fordern kein Almosen, sondern eine angemessene Entlohnung für ihre kreativen Anstrengungen."

In der Antwort auf den Ausschuss schreibt die britische Regierung auch, dass sie derzeit – entgegen Forderungen von Verbraucherschützern – keine Regulierung von Digital Rights Management erwäge. Die Technik sei noch in einem frühen Stadium, dem Markt müsse Zeit eingeräumt werden, sich zu entwickeln. Im Februar hatte die britische Regierung bereits ein DRM-Verbot abgelehnt.

Siehe dazu in Telepolis:

(anw)