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Britische Provider fordern Breitbandmaut von der BBC

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Einige der größten britischen Breitbandanbieter wollen die BBC wegen ihres Internet-TV-Angebots iPlayer zusätzlich zur Kasse bitten. Obwohl die auf 30 Tage beschränkte Download-Offerte für einen Großteil des Fernsehprogramms des öffentlich-rechtlichen Senders gerade erst in den Testbetrieb gegangen ist, fürchten Provider wie BT, Tiscali oder Carphone Warehouse bereits eine "Überbelastung" ihrer Netze. Sie drohen daher laut einem Bericht der Tageszeitung The Independent an, "den Stecker zu ziehen", falls sich die BBC nicht an den Übertragungskosten gesondert jenseits ihrer normalen Gebühren für den Internetanschluss beteiligen sollte.

"Das Potenzial des iPlayer, Kapazitäten aufzusaugen, macht uns besorgt", heißt es bei Tiscali offiziell. Man brauche "einen besseren Dialog mit der BBC darüber". Bei BT sieht man die Sache anscheinend ähnlich. Sollte der Sender mit dem Angebot fürs Internetfernsehen die erwarteten Zuschauerzahlen erreichen, könnte das die Netzwerke stark in Anspruch nehmen, hört man bei dem Anbieter. Die Netzbetreiber, die allerorten seit langem für ihre Breitbandangebote über DSL oder TV-Kabel bei End- wie Geschäftskunden die Werbetrommel rühren, wollen daher zumindest die der BBC zur Verfügung gestellte und normaltariflich bezahlte Bandbreite limitieren und den Datenverkehr so nach ihrem Ermessen kontrollieren.

Privatsender wie Channel 4 oder ITV haben in Großbritannien ebenfalls bereits Internet-TV-Programme gestartet. Allerdings ist noch nichts darüber bekannt, ob die Provider auch auf sie bereits mit Forderungen nach Zahlung einer zusätzlichen Breitbandmaut zugekommen sind. Anscheinend wollen sie sich zunächst bei der im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehenden öffentlich-rechtlichen BBC um die Erschließung neuer Einnahmequellen kümmern. Eine Einigung auf ein konzertiertes Vorgehen über den Brachenverband der Internet Service Providers' Association (ISPA) konnten die Breitbandanbieter zudem noch nicht erzielen. Allgemein hört man nur Ankündigungen, dass die von den Providern ermöglichte und mit hervorgerufene Explosion von Videoseiten im Netz begrenzt werden müsse.

Der Fall gießt Wasser auf die Mühlen der Befürworter einer gesetzlichen Festschreibung des Prinzips der Netzneutralität. Großen US-Breitbandanbietern und einigen europäischen Carriern wie der Deutschen Telekom geht es in dem bislang vor allem in den USA hitzig ausgetragenen Streit darum, für den Aufbau ihrer Hochgeschwindigkeitsnetze Inhalteanbieter für die besonders rasche oder auch nur für die zugesicherte Übertragung von Daten zur Kasse zu bitten. Sie wollen zudem Möglichkeiten zur unterschiedlichen Behandlung des Datenverkehrs in ihren Backbones erhalten, abhängig etwa von Quelle, Dienst und Bandbreitenverbrauch.

Verfechter strenger gesetzlicher Netzneutralitätsregeln wie Amazon.com, Google, Microsoft oder Yahoo fürchten dagegen, dass neue Geschäftsmodelle durch ein Mehr-Klassen-Netz behindert werden und die Innovationskraft der Wirtschaft leidet. Sie fürchten, dass Telekommunikationsgiganten und TV-Kabelanbieter das Internet in teure, mit Mautstationen abgesperrte Luxusbahnen und holprige Feldwege aufteilen. Auf dem alten Kontinent wird die Debatte um den Erhalt des offenen Prinzips des Internet bislang noch vergleichsweise zurückhaltend geführt, auch wenn etwa das EU-Parlament hier inzwischen eingehende Untersuchungen fordert und sich hierzulande just der Providerverband eco für die Netzneutralität einsetzt, der vor Möglichkeiten zur Inhaltekontrolle warnt. Mit dem Vorstoß der britischen Providergrößen dürfte die Diskussion um eine Breitbandmaut nun aber auch in Europa an Fahrt gewinnen.

Zur Auseinandersetzung um die Netzneutralität siehe auch die Hintergrundinformationen und die Übersicht zur bisherigen Berichterstattung in dem Online-Artikel in c't – Hintergrund:

(Stefan Krempl) / (jk)