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Britische Regulierer verordnen neue Großhandels-Flatrate

Das britische Office of Telecommunications (OFTEL) hat die British Telecom dazu verdonnert, den Konkurrenten eine weitere so genannte Großhandels-Flatrate anzubieten. BT muss nach dieser Entscheidung der Regulierungsbehörde den Internet-Providern und anderen Carriern für Datenleitungen, die über das Netz des britischen Ex-Monopolisten geschaltet werden, ab dem 26. Februar die Single Tandem Flat Rate Internet Access Call Origination (ST FRIACO) anbieten. Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Großhandels-Flatrate (FRIACO): BT muss die Anschlusspunkte an den übergeordneten regionalen Netzvermittlungsstellen schalten und nicht wie bei FRIACO an den lokalen Teilnehmervermittlungsstellen. Mit ST FRIACO können Internet-Provider und Online-Dienste nun also eine mit einer jährlichen Pauschale abgerechnete Datenleitung über eine Verbindung zwischen ihrem eigenen Netz und den zentralen Knoten des BT-Netzes in Anspruch nehmen. Bislang waren sie darauf angewiesen, Leitungen direkt zu den Teilnehmeranschlussstellen zu schalten.

Ein ähnliches Angebot wie beim britischen FRIACO hatte die Telekom nach der Entscheidung der Regulierungsbehörde über die Großhandels-Flatrate Mitte Dezember gemacht. Diese Offerte des deutschen Ex-Monopolisten war jedoch auf Kritik bei der Konkurrenz gestoßen, da es ebenfalls nur an den lokalen Teilnehmervermittlungsstellen wahrgenommen werden kann. Da die Internet-Provider und Online-Dienste bislang meist nur Verbindungen zu den übergeordneten Vermittlungsstellen der Telekom haben, müssten sie die Leitungen zu den regionalen Knotenpunkten entweder selbst installieren oder wiederum zu einem Zeittarif von der Telekom mieten. Die Telekom-Konkurrenten würden die Großhandels-Flatrate aber gerne an Anschlusspunkten in den übergeordneten Vermittlungssstellen wahrnehmen – ähnlich wie nun bei ST FRIACO in Großbritannien vorgesehen.

OFTEL erklärte zu der Entscheidung in Großbritannien, dies sei ein weitere große Initiative, die Bereitstellung eines zeitunabhängigen Internet-Zugangs zu unterstützen: "Die zusätzlichen Großhandels-Angebote für Betreiber sollten den Wettbewerb bei der Bereitstellung zeitunabhängigen Internet-Zugangs fördern. Dies bedeutet, dass mehr Verbraucher in der Lage sein werden, zeitunabhängigen Internet-Zugang billiger und einfacher als zuvor zu erhalten." Die Betreibergesellschaften könnten effektiver mit BT und untereinander konkurrieren und ein größeres Spektrum an zeitunabhängigen Internet-Zugangsdiensten anbieten, von denen einige ohne die neue Regelung nicht möglich wären.

Allerdings meinte OFTEL auch, man sei sich darüber klar, dass die Kapazität an den Hauptvermittlungsstellen von BT begrenzt sei. Man habe daher in der Entscheidung auch Maßnahmen festgelegt, die sicherstellen sollen, dass das Netz von BT durch den zu erwartenden wachsenden Internet-Datenverkehr nicht zusammenbreche. Bis zum Februar 2003 muss BT darüber hinaus alles dafür tun, dass ab diesem Zeitpunkt das Netz den gesamten, durch die neue Großhandels-Flatrate entstehenden Traffic ohne Engpässe transportieren kann. OFTEL will zudem mit der gesamten Industrie eine neue Interconnection-Regulierung erarbeiten, um dafür zu sorgen, dass der Internet-Datenverkehr künftig zunehmend über selbstständige IP-Netze statt über das Telefon-Netz läuft.

OFTEL-Chef David Edmonds betonte, dass 30 Prozent der britischen Bürger Internet-Zugang haben, und von diesen nutze bereits ein Drittel zeitunabhängige Internet-Zugänge. Die letzten Untersuchungen von OFTEL haben nach Edmonds Worten ergeben, dass die Preise für den Internet-Zugang in Großbritannien seit der Einführung von FRIACO um 40 Prozent gefallen sind. (jk)

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