Britische Studie findet Einsatz von Nanomaterialien beunruhigend

Zwar gebe es keine Beweise für die Schädlichkeit der Kleinstteilchen, aber der Bericht der "Königlichen Kommission für Fragen der Umweltverschmutzung" fürchtet Parallelen zu Asbest, FCKW und Tabakrauch, deren Risiken erst später ermittelt wurden

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Von
  • Thomas Pany

Von Nanomaterialen könnten größere gesundheitliche Schäden für Menschen ausgehen, wenn sie in die Umwelt gelangen. Möglicherweise werden diese Schäden aber erst in einigen Jahren entdeckt, ähnlich wie im Fall von Asbest, FCKW oder Tabakrauch, warnt ein Bericht der britischen "Königlichen Kommission für Fragen der Umweltverschmutzung" (Royal Commission on Environmental Pollution), der am heutigen Mittwoch veröffentlicht wurde.

Bislang gebe es noch keine Beweise dafür, dass die winzigen Teilchen der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt schaden, räumt der Vorsitzende der königlichen Kommission, Professor John Lawton, laut einem Bericht der Times ein. Die Studie (PDF-Datei) bestätigt, dass "ausführliche Untersuchungen keine Beweise für tatsächliche Schäden" erbracht hätten, kommt aber zum Schluss, "dass es für einige Klassen der Nanomaterialien plausible Gründe zu Beunruhigung" gebe.

Als potenziell schädliche Nanomaterialien werden genannt: Nanosilber, das wegen seiner antibakteriellen Wirkung in zahlreichen Produkten (von Bettdecken bis zu Zahncreme und Zement) eingesetzt wird und als "umweltfreundlich" und "frei von Toxinen" gehandelt wird, Kohlenstoffnanoröhren, die in der Optoelektronik und Photonik angewendet werden und die zum Beispiel in Anti-Ageing-Cremes verwendeten Buckminster-Fullerene (C60).

Die Verfasser weisen darauf hin, dass man mit dem Wissen über potenziell schädliche Auswirkungen der Kleinstteilchen weit hinter der Forschung zurückliege, die immer wieder Innovationen schaffe. Doch könnte sich dies ändern. Sie plädieren daher eindringlich für mehr Forschung auf dem Gebiet der Risiken und für ein rigoroses System von Überprüfungen, damit etwaige Gefahren rechtzeitig erkannt werden und darauf reagiert werden kann.

Weltweit gibt es nach Angaben des Berichts derzeit etwa 600 verschiedene Produkte, die Nanomaterial enthalten, und 1500 Patente. Nach Schätzungen des Magazins Materialsgate werden auf dem Weltmarkt jährlich zwischen 50 Millionen und 100 Millionen Euro mit Nanoprodukten umgesetzt. (tpa)