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Britische Wahlkämpfer boykottieren YouTube

Die drei wichtigsten Parteien haben kurz vor der britischen Wahl ihre Werbung auf Googles Videoplattform eingestellt. Grund: Ihre Werbespots waren in islamistischen Kanälen zu sehen.

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Britische Wahlkämpfer boykottieren YouTube

Die britische Premierministerin Theresa May im Wahlkampf.

(Bild: conservatives.com)

Neuer Ärger für Google: Drei Monate nach dem breiten Werbeboykott von Markenkonzernen und zwei Tage vor der Parlamentswahl in Großbritannien haben die Conservative Party, die Labour Party und die Liberal Democrats ihre Wahlwerbespots von YouTube zurückgezogen. Auslöser für den Boykott waren Recherchen der britischen Zeitung The Times. Deren Reporter hatten die Werbespots der Parteien und verschiedener Markenanbieter in Kanälen mit islamistischen Predigten entdeckt, die auch zur Rekrutierung der Terror-Miliz ISIS benutzt würden.

Die Vorfälle kommen für Google zur denkbar ungünstigen Zeit. So hatte die britische Premierministerin Theresa May nach den Anschlägen am Wochenende Internet-Konzernen vorgeworfen, Terroristen auf ihren Plattformen einen Rückzugsraum geboten zu haben und eine erweiterte Überwachung und Regulierung von Internet-Diensten angekündigt.

Auch geschäftlich kommt der neue Vorfall zur ungünstigen Zeit. YouTube hatte im Nachgang zur ersten Boykott-Welle durch Markenkonzerne das eigene Werbeprogramm überarbeitet und dadurch Vertrauen von Werbekunden zurückgewonnen. Das Unternehmen hatte in einer Eil-Aktion vermeintlich kontroverse Videos gelöscht oder aus dem Werbeprogramm entfernt.

Google hatte zunächst darauf bestanden, unmöglich alle Videos auf YouTube überprüfen zu können, verschärfte dann aber die Regeln, wer auf der Plattform mit seinen Inhalten Geld verdienen kann. So werden nur noch Kanäle ab einer gewissen Zuschauerzahl ins Werbeprogramm aufgenommen, nachdem sie von YouTube überprüft wurden. Anfang Juni stellte der Konzern zudem neue "Content Guidelines" vor, die neben Hassrede und extremistischen Inhalten auch Vulgärsprache und politisch kontroverse Themen vom Werbeprogramm ausschließen, um Werbekunden vor Imageschäden zu bewahren.

YouTube ist aber nicht die einzige Plattform, die mit dem Problem kämpft, dass Werbung aus Sicht der Werbetreibenden an der falschen Stelle ausgespielt wird. Vodafone kündigte am Dienstag an, seine Werbung nur noch in Medien auszuspielen, die vorher auf einer Whitelist erfasst worden seien, um nicht nicht mit Fake News oder Hassrede in Verbindung gebracht zu werden. Der Telekommunikationskonzern hat ein globales Anzeigenbudget von mehr als 800 Millionen Euro pro Jahr, wovon die Hälfte in Online-Kampagnen fließt.

[Update 07.06.2017 – 14:10 Uhr] Inzwischen hat Google auf den Bericht der britischen Zeitung reagiert: "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, gegen Inhalte vorzugehen, die gegen unsere Richtlinien und das Gesetz verstoßen", erklärte ein Google-Sprecher gegenüber heise online. Dazu gehörten Partnerschaften mit Regierungen, Strafverfolgungsbehörden und NGOs. "Das sind komplizierte und herausfordernde Probleme, aber wir sind bestrebt, uns weiter zu verbessern und Teil einer dauerhaften Lösung zu sein”, erklärt der Sprecher. (Torsten Kleinz) / (anw)

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