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Britische Wissenschaftler fordern "formale Vergebung" für Alan Turing

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Stephen Hawking und zehn weitere Unterstützer wollen eine posthume Entschuldigung an Alan Turing, der vermutlich infolge einer Zwangsbehandlung aufgrund seiner Homosexualität 1954 Selbstmord beging. Die Gruppe schickte den an Premierminister David Cameron gerichteten Appell an den Daily Telegraph. Dort heißt es, dass Alan endlich "formal vergeben" werden solle. Bis 1967 war Homosexualität in Großbritannien verboten.

Gordon Brown entschuldigte sich zwar schon 2009 für die damalige Behandlung Turings, nahm zu diesem Zeitpunkt aber nicht Bezug auf den juristischen Begriff des "Verbrechens". Im Februar scheiterte eine Petition mit 23.000 Unterschriften mit der Bitte um eine formelle Entschuldigung an Turing. Justizminister Lord McNally antwortete, dass der Fall "schockierend" sei, eine Entschuldigung aber nicht angemessen, da das, wofür Alan damals verurteilt wurde "zu dieser Zeit eine Strafttat war".

Hawking und seine Mitstreiter loben Turing als einen der brillantesten Mathematiker der Moderne. Die Entschlüsselung der Enigma habe zu einer Verkürzung des zweiten Weltkriegs geführt. Viele theoretische Grundlagen heutiger Computertechnik und Informatik gehen auf Alan Turing zurück, unter anderem legte er 1936 mit seiner Arbeit "On Computable Numbers" den Grundstein der heutigen Informatik. Trotz dieser Leistungen sei es "erfolgreichen Regierungen scheinbar nicht möglich" Verurteilungen für Verbrechen zurückzunehmen, die lediglich damals als Verbrechen galten.

Der Appell kommt zu einem Zeitpunkt an dem schon ein neuer Gesetzesentwurf für eine Entschuldigung wegen des Vorgehens gegen Turing im Parlament kursiert. Im Sommer hatte Lord Sharkey ihn eingebracht - der Brief an den Telegraph wurde von Lord Grade verfasst. Mit der Adressierung an David Cameron hoffen die Unterstützer auf eine Entscheidung mit mehr "Autorität". So müsse zum Beispiel auch nicht befürchtet werden, dass durch eine formale Entschuldigung Präzedenzfälle geschaffen werden. In diesem Jahr entschied die Regierung, dass Personen die "Straftat Homosexualität" aus ihren Kriminalakten streichen lassen dürfen.

Unter den Unterzeichnern des Briefes befinden sich unter anderem Lord Rees (Astronom), Sir Paul Nurse (Leiter der Royal Society) und Baroness Trumpington, die für Turing während des zweiten Weltkriegs in Bletchley Park arbeitete. 2012 ist das Alan-Turing-Jahr. (kbe)

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