Menü

Britische Ärzte warnen vor HIV-Selbsttest aus dem Internet

vorlesen Drucken Kommentare lesen 22 Beiträge

Die Frage, ob man sich mit dem HI-Virus infiziert hat, lässt sich auch mit einem Selbsttest zu Hause beantworten: Ein Tropfen Blut genügt, und das Ergebnis kann wenige Minuten später abgelesen werden. Britische Ärzte, so berichtet BBC, warnen jetzt jedoch vor solchen Tests, deren Verkauf in Großbritannien zwar ohnehin verboten ist, die aber trotzdem über das Internet für knapp 100 Mark bestellt werden können.

Zwar werben die Verkäufer damit, dass diese Hometests zu 99 Prozent richtige Ergebnisse liefern, da es sich oftmals um die gleichen Schnelltests handelt, die auch in Krankenhäusern verwendet werden. Trotzdem sind "solche Selbsttests nicht so sicher wie die Untersuchungen, die wir im Labor durchführen können", warnt Jonathon Weeber vor falschen negativen oder positiven Testergebnissen. "Man muss schon geübt sein im Umgang mit den Teströhrchen, um diese Tests wirklich richtig durchzuführen", erklärt der britische HIV-Experte, denn in einem Testset seien diverse Röhrchen und Flüssigkeiten erst einmal richtig zu handhaben. Nicht umsonst befindet sich in den Selbsttests meist der Hinweis, dass ein positives Testergebnis durch einen zweiten Test aus dem Labor bestätigt werden sollte.

In Großbritannien dürfen solche HIV-Selbsttests nicht verkauft werden, da die Regierung jeder positiv auf HIV getesteten Person gleich eine kompetente Anlaufstelle vermitteln möchte, die ihr beim Umgang mit den Konsequenzen mit Rat und Tat zur Seite steht. "Es gibt keinen Grund für einen solchen Test, denn jeder kann bei einem Verdacht in eine Klinik gehen und sich dort anonym und kostenlos testen lassen", meint Colin Dixon von der AIDS-Hilfe Terrence Higgings Trust. Dort hat man Kontakt zu Beratungsstellen und Ärzten, die schon hunderte solcher Fälle zuvor betreut haben und die professionelle Hilfe anbieten.

Auch in Deutschland kann beispielsweise über www.testaids.de ein Hometest für knapp 80 Mark bestellt werden. Zwar informiert die Seite den potenziellen Kunden darüber, dass eine Infektion erst sech bis zwölf Wochen nach der Ansteckung mit Sicherheit durch Antikörper im Blut nachgewiesen werden kann und dass bei einem positiven Ergebnis unbedingt bei einem Arzt ein zweiter Test gemacht werden sollte. Die prinzipiellen Nachteile, auf Grund derer Ärzte und Aidshilfe Hometests ablehnen, bleiben aber unerwähnt.

"Solche Tests machen einfach keinen Sinn", erklärt Gundo Weiler, Medizinreferent bei der Deutschen Aidshilfe in Berlin. "Wir empfehlen einen Aidstest nur in Kombination mit einem vorangegangenen Beratungsgespräch, was de facto auch immer zugleich ein Aufklärungsgespräch und die persönliche Zustimmung zum Test ist und ein umfassendes Beratungsangebot beinhaltet, sollte der Test positiv ausfallen". Außerdem sei ein solcher Schnelltest immer unsicherer als ein Labor-Test, zumal der wichtige Bestätigungstest, wie er im Labor automatisch bei einem positiven Ergebnis durchgeführt wird, beim Hometest wegfällt. Außerdem könne jeder, dem ein Tropfen Blut abgenommen wird, auch gegen seinen Willen auf HIV-getestet werden. Weiler empfiehlt, bei einem Verdacht lieber das örtliche Gesundheitsamt aufzusuchen und dort einen qualifizierten Test anonym und auch kostengünstiger durchführen zu lassen. (Andreas Grote) / (wst)