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Britischer Innenminister kündigt weltweite Datenbank gegen Terror an

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Die britische Regierung will mit einer weltweiten Extremistenliste gegen die Terrorgefahr im eigenen Land angehen. Innenminister Charles Clarke hat heute vor dem Unterhaus in London angekündigt, eine Datenbank über Personen auf allen Erdteilen zu erstellen, die in Predigten, im Internet oder in Artikeln zum Terrorismus aufstacheln. Diejenigen, die auf dieser Liste stehen, könnten dann nach Prüfung an der Einreise nach Großbritannien gehindert werden. Ausländer, die sich in diesem Sinn äußerten und bereits im Lande seien, könnten ausgewiesen werden.

Im Kampf gegen den Terrorismus sollen nach einem Zeitungsbericht außerdem neue Polizei-Spezialeinheiten zukünftig in ganz Großbritannien muslimische Extremisten aufspüren. Wie der in London erscheinende Guardian unter Berufung auf hochrangige Polizeikreise berichtete, sollen speziell qualifizierte Beamte dieser so genannten Kontakteinheiten die muslimischen Gemeinschaften beobachten. Diese würden nicht verdeckt arbeiten. Die Polizisten mit Sprachkenntnissen sollen einerseits vor Ort Informationen über Muslime sammeln und deren Gemeinschaften andererseits auch vor fremdenfeindlichen Attacken schützen.

Als eines der Hauptprobleme wurden nach den Selbstmordanschlägen vom 7. Juli in London die mangelnden Kenntnisse über die muslimischen Gemeinden geortet. "Fundiertes Wissen über diese Gemeinschaften im Polizeidienst ist selten", sagte ein ranghoher Beamter der Zeitung. In Großbritannien leben etwa 1,6 Millionen Muslime. Bei den Anschlägen waren vor knapp zwei Wochen mindestens 56 Menschen ums Leben gekommen, 700 weitere wurden verletzt. Clarke schloss nicht aus, dass die Zahl der Toten noch steigen könnte. 27 Verletzte befänden sich noch in Krankenhäusern, sagte er.

Pakistanische Sicherheitskräfte nahmen unterdessen landesweit 139 mutmaßliche muslimische Extremisten fest. "Wir sind gegen jene Elemente vorgegangen, die Hass-Material publizierten, provokante Reden hielten und Militanten Zuflucht boten", sagte Innenminister Aftab Ahmed Khan Sherpao am Dienstag. Ein "hochrangiger Sicherheitsbeamter" sagte dem britischen Sender BBC, eines der Hauptziele der Razzien sei, mehr über die Hintergründe der Pakistan-Reisen von zwei der Selbstmordattentäter von London im vergangenen Jahr herauszufinden.

Unterdessen gingen die Ermittlungen in London weiter. Einer der bei den Explosionen zerstörten U-Bahnwaggons wurde geborgen. Er sollte an einem anderen Ort weiter von Kriminaltechnikern untersucht werden. Außerdem sind nach Angaben der Bahnpolizei mittlerweile knapp 30 Spürhunde im weit verzweigten U-Bahnnetz der britischen Metropole im Einsatz, um mögliche Sprengsätze zu erschnüffeln.

Siehe dazu auch:

(dpa) / (dpa) / (anw)

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