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Britischer Werbeboykott gegen YouTube: Google verspricht Nachbesserungen

Weil ihre Werbung zusammen mit extremistischem Inhalten ausgeliefert wurde, haben sich mittlerweile rund 250 Marken mit ihren Anzeigen von YouTube zurückgezogen. Mutterkonzern Google verspricht rasche Nachbesserung.

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(Bild: dpa, Marc Müller)

Für Google hat sich der Streit um extremistische Inhalte auf YouTube zu einem ernsten Problem entwickelt: Nachdem sich am Wochenende erste Werber von der Videoplattform YouTube zurückgezogen haben, haben inzwischen mehr als 250 Marken ihre Kampagnen beim größten Werbekonzern der Welt gestoppt. Darunter sind Schwergewichte wie Volkswagen, Toyota und Tesco, berichtet die britische Times. Neben YouTube sind auch andere Werbekanäle des Konzerns betroffen.

Zwar hatte sich der europäische Google-Manager Matt Brittin auf der Konferenz Advertising Week Europe in London am Montag für die Vorfälle entschuldigt. Er betonte aber gleichzeitig, dass Google bereits gut funktionierende Werkzeuge bereitstelle, um Werbung nicht mit extremistischen Inhalten wie den von der Times kritisierten antisemitischen Tiraden des US-Extremisten David Duke auszuspielen. Zudem würden 98 Prozent der Inhalte die von Nutzern als problematisch gemelet würden innerhalb von 24 Stunden abgearbeitet.

Auch der britische Guardian war überrascht, wo die eigene Werbung auftauchte.

(Bild: thetimes.co.uk)

Die Times verweist jedoch in einem aktuellen Artikel darauf, dass YouTube sechs in der vergangenen Woche gemeldete antisemitische Videos in der angegebenen Frist nicht gelöscht habe. Erst als sich die Redaktion nochmals explizit an Google gewendet habe, seien vier der Videos schließlich entfernt worden. Um die werbenden Unternehmen vor Imageschäden zu schützen, bieten immer mehr Anbieter "Brand Safety" an: Sie überprüfen für ihre Auftraggeber, welche Werbung in welchem Kontext erscheint.

Da Werbeinnahmen für Google eine wichtige Einnahmequelle sind, ist die aktuelle Entwicklung für den Konzern kritisch. Börsen-Analyst Brian Wieser stufte den Kurs der Google-Aktie aufgrund der Proteste bereits herunter.

Hatten europäische Google-Manager in den vergangenen Tagen versichert, dass Google bereits an einer Überarbeitung der internen Prozesse zur Zuteilung von Werbung arbeite, legt nun der Google-Manager Philipp Schindler in einem Blogbeitrag nach. "Wir wissen, dass Werber ihre Werbung nicht neben Inhalten sehen wollen, die ihren Werten entgegenstehen", schreibt der Chief Business Officer aus der Führungsetage der Google-Zentrale. "Deshalb werden wir ab heute eine härtere Gangart gegenüber hasserfüllten, beleidigenden und abfälligen Inhalten einlegen."

Google kennt mehrere Eskalationsstufen bei kritischen Inhalten: So werden Inhalte von der Werbevermarktung ausgeschlossen, wenn sie unpassend erscheinen. Von Googles Plattformen gelöscht werden Inhalte jedoch nur, wenn sie auch gegen die eigenen Nutzungsbedingungen verstoßen. Schindler verspricht, dass in beiden Fällen die Google-Grundsätze nun rigider durchgesetzt werden.

Dafür sollten mehr Arbeitskräfte engagiert werden. Auf mittlere Sicht verspricht sich der Google-Manager auch eine verbesserte Filtergenauigkeit durch künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen. Außerdem sollen Werber einen direkten Kommunikationskanal erhalten, um problematische Videos zu melden.

Bereits die Grundeinstellungen sollen in Zukunft eine bessere "brand safety" gewährleisten. Standardmäßig soll Werbung demnach lediglich auf möglichst unkontroversen Videos und Websites ausgespielt werden, sofern die Auftraggeber keine gesonderten Vorgaben machen. Darüber hinaus arbeite Google nach eigener Aussage an einer Überarbeitung der Kampagnen-Einstellungen. So soll es einfacher werden, bestimmte Inhalte und Seiten von einer Kampagne auszuschließen. Gleichzeitig will das Unternehmen Werbern mehr Möglichkeiten geben um ihre Kampagnen selbst zu steuern. (msi)