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Britisches Computermuseum kauft bedeutende Turing-Unterlagen

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Eine wertvolle historische Sammlung mit Papieren des britischen Mathematikers, Logikers und Kryptologen Alan Mathison Turing hat für einen hohen sechsstelligen Betrag den Besitzer gewechselt: Dank großzügiger Unterstützung durch eine Stiftung konnte der Bletchley Park Trust die Papiere erwerben. In den historischen Gebäuden in Bletchley Park (Buckinghamshire) ist heute unter anderem das National Museum of Computing untergebracht. Während des zweiten Weltkriegs war das Anwesen unter dem Namen "Station X" bekannt. Hier arbeitete Turing an der Entschlüsselung der mit der Enigma-Maschine verschlüsselten deutschen Funksprüche. Die "Turing-Newman Collaboration Collection" enthält 16 der insgesamt nur 18 von Turing veröffentlichten Aufsätze, darunter den bekanntesten "On Computable Numbers". Max Newmann, der die Sammlung über mehrere Jahre zusammenstellte und pflegte, war Turings Lehrer, Kollege und Freund.

Ursprünglich war für den 23. November 2010 die Versteigerung im prominenten Londoner Auktionshaus Christie's geplant. Die Preisvorstellung lag bei 300 000 bis 500 000 britischen Pfund. Aus Sorge, dass ein privater Sammler die Turing-Papiere ersteigern und sie anschließend in einem Safe verschwinden lassen könnte, rief der britische IT-Journalist Gareth Halfacree am 18. November im Internet zu einer Spendenaktion auf.

Bei der Versteigerung fand sich allerdings niemand, der den Mindestpreis für die Turing-Sammlung bot. Halfacree, dessen Sammlung – bis heute 23.097 britische Pfund – längst nicht ausreichte, schöpfte neue Hoffnung. Zusammen mit einigen Großspenden, darunter 100 000 US-Dollar von Google kamen schließlich über 213 000 Pfund zusammen. Der National Heritage Memorial Fund sei "in letzter Minute" mit 200 000 Pfund eingesprungen, berichtet die BBC online. Nur so konnte verhindert werden, dass die Dokumente an einen Käufer außerhalb Großbritanniens gingen, heißt es in dem Bericht.

Die "Turing-Newman Collaboration Collection" soll noch in diesem Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Vorher sind Maßnahmen zur langfristigen Erhaltung der Papiere nötig. Wer bereits jetzt einen Blick auf die Arbeiten Alan Turings werfen möchte, kann sich viele davon online im Turing-Archiv anschauen. (dwi)