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British Telecom setzt auf öffentliche Internet-Terminals

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Nachdem die Nutzung der öffentlichen Münzfernsprecher in den letzten zwei Jahren um 37 Prozent zurückgegangen ist, plant die British Telecom (BT) ihr umfassendes Telefonnetz mit einer neuen Generation von Internet-Münztelefonen – Multi.phones genannt – neu zu beleben und das Internet auch unterwegs jedermann leicht zugänglich zu machen.

Mehr als 600 Multi.phones hat die BT im Januar überall in Einkaufszentren, Bahnhöfen, U-Bahn-Stationen und Flughäfen in Großbritannien an Stellen installiert, wo auch normale Münzfernsprecher zu finden sind. Über sie kann der Nutzer E-Mails lesen und verschicken, im Internet surfen oder ganz normal telefonieren. So genannte "Hot-Buttons" lenken den Nutzer schnell und direkt zu aktuellen Informationen über lokale Veranstaltungen wie Kino oder Theater, Reiseinformationen wie Abfahrt- oder Abflugzeiten, Online-Einkaufsmöglichkeiten oder die letzten Kurse von der Börse. Über die Bildschirmtastatur des Touch-Screens, mit dem die Multi.phones bedient werden, kann der Nutzer durch Eingabe der Internetadresse auch zu jeder anderen Website gelangen.

In der Einführungsphase, die noch bis 14. Juni 2001 läuft, können angemeldete Surfer und jene, die es nur mal ausprobieren wollen, über die Multi.phones kostenlos und unbegrenzt im Internet surfen und E-Mails versenden. Erst danach kostet die online am Multi.phone verbrachte Zeit Gebühren.

Dabei wird sich der Britische Telefonriese an der Konkurrenz messen müssen, denn Firmen wie FastCom, die sich selbst "The Internet Kiosk Company" nennt, haben sich bereits einen Vorsprung herausgearbeitet. Zwar verfügt FastCom zurzeit nur über eine hand voll "Kioske" in England, will aber schnell expandieren und überall in Großbritannien die eigenen Internet-Terminals aufstellen, um auf der Insel zum Anbieter Nummer Eins von günstigen öffentlichen Zugängen zum Internet zu werden. Acht Minuten Zugang zum Internet kosten bei FastCom rund drei Mark.

Ob die modernen Telefone jedoch schon dem Alltag gewachsen sind, wird sich erst noch erweisen müssen. Bei einem ersten Test eines BBC-Reporters in London war das Ergebnis noch nicht überzeugend. Nach zwei defekt angetroffenen Multi.phones konnte der BBC-Reporter an einer anderen Stelle gleich ein Multi.phone und ein Terminal von FastCom vergleichen. Während die normale Tastatur und die wie ein Trackball funktionierende Maus am FastCom-Terminal das Abrufen von E-Mails in nur fünf Minuten erledigte, konnte das Multi.phone den BBC-Reporter nicht so richtig überzeugen.

Die Tastatureingabe und Maussteuerung über den Touch-Screen war umständlich, eine schnelle Eingabe über die Bildschirmtastatur unmöglich, der Aufbau der Internetseiten war zudem sehr langsam. Für das Verschicken einer einzigen E-Mail brauchte er acht Minuten, danach schaltete das System automatisch offline, um den nächsten Nutzer zum Test einzuladen. Das ernüchternde Ergebnis: Mit einer Tageszeitung und ein paar Anrufen wäre er schneller und einfacher zu dem gleichen Ergebnis gekommen. (Andreas Grote) / (wst)