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British Telecom will Webseiten blockieren

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Nach einem Bericht des britischen Observer startet die British Telecom (BT) Ende Juni ein Programm zur Blockade von Webseiten. Das Programm namens Cleanfeed soll verhindern, dass Kunden des größten Internetproviders in Großbritannien Webseiten mit Kinderpornografie abrufen können.

Cleanfeed soll in Zusammenarbeit mit dem britischen Innenministerium entwickelt worden sein. Über die genaue Funktionsweise des Filters gibt es noch keine Angaben. Die Blockade soll durch die gestiegenen Rechnerkapazitäten möglich geworden sein -- ein Jahr zuvor habe man dazu noch keine Möglichkeiten gehabt.

Informationen über illegale Seiten soll die Internet Watch Foundation (IWF) beisteuern, eine von Providern finanzierte Organisation, die Hinweisen von Bürgern auf Kinderpornografie und illegalen Inhalten im Internet nachgeht. Surfer, die von der IWF als illegal gekennzeichnete Seiten ansteuern wollen, werden nach den Plänen auf eine Fehlerseite umgeleitet. Zugriffe auf diese Seiten werden protokolliert, allerdings soll es nicht möglich sein, aus den Daten zu entnehmen, wer die Seiten abrufen wollte.

Der Internetberater der Kinderwohlfahrtsorganisation NCH John Carr war im vergangenen Herbst mit entsprechenden Plänen an die Provider des Landes herangetreten, war aber auf Widerstand der Unternehmen gestoßen. Anfang des Jahres hatte Carr, der auch Gründungsmitglied der IWF ist, einen gewaltigen Anstieg der Kinderpornografie im Internet beklagt und dabei vor allem die USA kritisiert. Obwohl mehr die Hälfte der in Großbritannien gefundenen Bilder aus Amerika stammten, würden die Behörden dort nur wenige Fortschritte im Kampf gegen die Täter machen. Im Mai habe sich die British Telecom unerwartet an das Innenministerium gewandt, nachdem Testläufe mit der eigenen Filtersoftware erfolgreich verlaufen seien. Carr begrüßte den Vorstoß, merkte aber an, dass er auch von allen anderen Providern ähnliche Maßnahmen erwarte. Konkurrenten der British Telecom kündigten entsprechende Schritte an.

Gleichzeitig wurde auch ein anderer Vorstoß des NCH im Kampf gegen Kinderpornografie bekannt: Die britische Parlamentsabgeordnete Judy Mallaber fordert die Regierung auf, Straftätern, die mit Kreditkarten für Kinderpornografie bezahlt haben, die Karten zu entziehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Internetblockaden mit dem Kampf gegen Kinderpornografie begründet werden. Schon im Jahr 2002 haben die Behörden des US-Bundesstaates Pennsylvania die dort ansässigen Internetprovider gezwungen, den Zugang zu bestimmten Webseiten zu sperren.

Eine technische Filterlösung, die ohne unerwünschte Nebeneffekte zuverlässig auf Provider-Ebene arbeitet, wäre neu: So ist ein Programm namens Filterpilot, das auf Veranlassung der Bezirksregierung Düsseldorf zum Sperren von Seiten mit rechtsradikalen Inhalten entwickelt worden war, wegen erheblicher technischer und organisatorischer Schwierigkeiten nie in Betrieb genommen worden. (Torsten Kleinz) / (hos)