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Brockhaus-Sprecher kritisiert mangelnde Verlässlichkeit bei Wikipedia

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Klaus Holoch, Pressesprecher des Verlags Bibliographisches Institut und FA Brockhaus AG, findet das, was bei Wikipedia stattfindet, "absolut interessant". In einem Interview (Audio-Version) mit dem Deutschlandradio Kultur aus Anlass des Auftakts der Konferenz Wikimania kritisiert er aber die mangelnde Qualität in der freien Enzyklopädie. "Das einzige, was mich stört ist, dass so getan wird, als ob das ein verlässliches Lexikon ist, und das ist es beileibe nicht." Sein Verlag setze auf "Qualität, auf Fachredakteure, auf Fachautoren und wir haben ein System, was diese Qualität und diese Verlässlichkeit absolut absichert und dass jeder, der aus dem Brockhaus zitiert, auch wirklich sicher sein kann, dass das, was er da zitiert, stimmt".

"Quantität, auch wenn sie hoch ist, hat noch nie irgendwie dafür gesorgt, dass auch eine Qualität entsteht." Dabei bezog sich Holoch auf einen Zeitungsartikel über Wikipedia, in dem von hochgerechnet einer Million Rechtschreibfehler die Rede gewesen sei. "Qualität fängt natürlich auch bei formalen Dingen an, das darf man auch nicht außer Acht lassen", meint Holoch. Das Bildungsportal Bildungsklick.de hatte jüngst Wikipedia unter die Lupe genommen und kam zu der Ansicht, dass kein Artikel frei von Fehlern sei. Allerdings wurden von dem Webportal, das selbst Bildungsinformationen anbietet, lediglich eine Stichprobe von 12 Artikeln für die Untersuchung berücksichtigt und die Ergebnisse dann hochgerechnet.

Brockhaus-Sprecher Holoch glaubt auch, dass das Internet das Buch nicht ersetzen könne: "Der Mensch ist unterschiedlich: morgens online, mittags offline und abends im Buch." Er sehe insofern in Wikipedia keine klassische Konkurrenz. Auch auf dem Markt für Wissens-Silberlinge erkennt Holoch allein schon durch die multimediale Aufbereitung der Brockhaus-Veröffentlichungen auf DVDs Unterschiede. Zum Thema "Aktualität", bei dem Wikipedia durch das Online-Medium gegenüber gedruckten oder gepressten Werken unbestritten Vorteile hat, sagte Holoch, "Aktualität mit dem Tagesgeschäft, das überlassen wir gerne auch Tageszeitungen oder Rundfunkstationen". Auch die Frage nach den Altersgruppen, die, je jünger sie seien, das Internet favorisieren würden, beantwortete der Brockhaus-Vertreter ausweichend damit, sein Unternehmen betreibe Zielgruppenforschung.

Ansonsten findet Holoch auch die Wiki-Konferenz "toll": "Ich habe in den letzten Tagen ein Interview nach dem anderen gegeben und kann jedem, der mich fragt, sagen, wie toll Brockhaus ist." Eigentlich müsse er den Wikipedianern dankbar sein, dass auf diese Weise lexikalisches Wissen in die Öffentlichkeit kommt. "Denn ich bin ganz sicher, wenn der Kunde am Ende des Tages entscheiden muss, will ich etwas haben, auf das ich mich wirklich verlassen kann, oder will ich etwas eher Zufälliges haben, die kommen also ganz klar zu Brockhaus."

Siehe zur Wikipedia und zur Konferenz Wikimania auch: (anw)