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Brockhaus-Verlag setzt auf Mediawiki

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In der Vergangenheit lieferte sich der Brockhaus-Herausgeber, die Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG (Bifab) öfters kleine Scharmützel mit der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia. Zumindest im Bereich Software konnten die Vertreter des freien Wissens jetzt einen Punktsieg verbuchen: Ein gerade gestartetes Portal des Mannheimer Verlags setzt auf die Software Mediawiki, die auch die Grundlage für die Wikipedia und ihre Schwesterprojekte bildet. Unterdessen gibt es innerhalb der Wikipedia Pläne für eine interne Lexikon-Redaktion.

Das Portal Meyers Lexikon online ist Ende vergangener Woche offiziell ohne viel Federlesens gestartet. Hier kann man kostenlos die Inhalte der 10. Auflage der 24-bändigen Ausgabe von Meyers Lexikon nachschlagen, die in diesen Tagen in den Handel kommt. Nach Verlagsangaben ist das komplette Lexikon im Volltext einsehbar, lediglich Bilder, für die keine Online-Rechte vorliegen, seien ausgenommen worden.

Von der Oberfläche erinnert nichts an die Software Mediawiki, nur über die Schemata der Internetadressen kann auf den technischen Hintergrund geschlossen werden. Frühzeitig fiel das natürlich Wikipedianern auf. Wikimedia-Deutschland-Vorstandsmitglied Mathias Schindler veröffentlichte eine erste Analyse der Inhalte des Portals und zeigt, wie man der Webseite mit Mediawiki-Kenntnissen Hintergründe wie zum Beispiel die Versionshistorie von Artikeln entlockt.

"Das Projekt ist ein Versuchsballon", teilte Bifab-Abteilungsleiter Björn Hoffmann auf Anfrage von heise online mit. Dass die Webseite auf die gleiche Softwarebasis wie Wikipedia setzt, wollte der Verlag nicht an die große Glocke hängen. Zwar verheimliche man den Einsatz von Mediawiki nicht, wolle aber auch nicht falsche Schlüsse begünstigen: "Das Wort Wiki impliziert, dass man in den Artikeln selbst editieren kann", erklärt Hoffmann. Dies sei bei Meyers Lexikon Online nicht der Fall. Als Grund für den Einsatz der Software gibt Hoffmann vor allem technische Gründe an: "Mediawiki hat sich in der Vergangenheit besonders im Hochlastbetrieb bewährt." Auch sei die Software gut für Suchmaschinen optimiert.

Zwar können Leser nicht direkt an den Lexikon-Artikeln mitarbeiten, das Portal sieht jedoch Möglichkeiten zur Interaktion vor. So können Leser nach Anmeldung eine Diskussion zu den Artikeln beginnen oder auch eigene Artikelvorschläge machen. "Wir möchten mit dem Angebot mehr mit den Kunden in Kontakt treten", erklärt Hoffmann. Die Vorschläge der Leser würden von der 60-köpfigen Lexikonredaktion behandelt und eventuell in eine neue Fassung eines Artikels einfließen. Die Rechte an den Leserbeiträgen liegen dann aber bei dem Verlag. Bifab behält sich die üblichen Urheberrechte an den Lexikonartikeln vor, ein freies Weiterbenutzen und Verändern der Inhalte wie bei Wikipedia ist nicht möglich. Kostenlos ist nur der private nicht-gewerbliche Gebrauch des Portals.

Das Angebot des Mannheimer Verlags ist nicht das erste Online-Angebot eines kommerziellen Lexikons, das eine solche Feedback-Möglichkeit aufnimmt. So hat Microsofts Enzyklopädie Encarta schon seit über einem Jahr eine entsprechende Funktion.

Im Gegenzug nähert sich zurzeit auch die Wikipedia klassischen Lexikon-Redaktionen etwas weiter an. Nach dem gestern veröffentlichten Umsetzungsvorschlag für die stabilen Artikelversionen sollen zwei neue Artikelversionen in der Wikipedia Einzug halten. Die gesichteten Versionen sollen lediglich auf offenkundigen Vandalismus geprüft werden – möglichst viele Wikipedia-Autoren sollen die Möglichkeit haben, eine Artikelversion als "gesichtet" zu markieren. Viel höhere Ansprüche werden hingegen an die geprüften Versionen gestellt. Hier sollen die Artikel ausführlich auf Korrektheit und Qualität untersucht werden. Nur ein kleiner, ausgewählter Personenkreis soll die Möglichkeit haben, dieses Qualitätssiegel zu vergeben. Dieses Konzept unterscheidet sich wesentlich von den bisher gekürten exzellenten Artikeln, die von interessierten Community-Mitgliedern ausgewählt werden. Wie der Kreis der neuen Artikelprüfer bestimmt werden soll, ist noch unklar. Allerdings soll dieses Feature erst in mehreren Monaten zu ersten Experimenten freigeschaltet werden. (Torsten Kleinz) / (jk)

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