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Browser-Debatte: Hat Microsoft geschummelt?

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Bei der am Mittwoch veröffentlichten siebten Platform Preview des Internet Explorer 9 meldete Microsoft, der Browser sei in Sachen JavaScript-Geschwindigkeit an der Konkurrenz vorbeigezogen. Grundlage dafür wäre sein Ergebnis bei dem bekanntesten JavaScript-Benchmark WebKit SunSpider: Messungen von Microsoft sehen IE9 PP7 bei diesem Test ganz vorne.

Während die drastischen Verbesserungen des IE9 in Sachen JavaScript-Geschwindigkeit gegenüber der Version 8 des Browsers (der als einziger aktueller Browser keine kompilierende Engine besitzt) unstrittig sind, kam sehr schnell der Verdacht auf, Microsoft habe getrickst, um bei dem Benchmark besser abzuschneiden. Der Mozilla-Entwickler Rob Sayre nahm minimale Modifikationen an einem der Einzeltests (math-cordic) in SunSpider vor, die beim IE9 – anders als bei Chrome oder Opera – massive Auswirkungen auf die benötigte Rechenzeit hatten.

Im offiziellen IE-Blog beeilte sich Projektleiter Dean Hachamovitch um Klarstellung: Internet Explorer 9 verwende einen Kompilierungstrick namens "Dead Code Eliminiation", der auch bei dem fraglichen Test greife. Die Modifikationen des Mozilla-Entwicklers hebeln diese Optimierung offenbar aus. Sayre kritisiert Microsofts Implementierung der Dead Code Elimination als unzuverlässig und unvollständig.

Um die JavaScript-Performance des IE9 besser einschätzen zu können, haben wir sie mit der von Firefox 3.6.12, Chrome 7, Safari 5.0.2, Opera 10.63 sowie der vor zwei Monaten erschienenen Betaversion des IE9 auf einem Arbeitsplatz-Laptop unter Windows Vista verglichen. Außer SunSpider kamen noch die JavaScript-Benchmarks Google V8, Peacekeeper, SlickSpeed und Speed-Battle zum Einsatz.

Tatsächlich absolvierte IE9 PP7 SunSpider etwas schneller als Opera und Chrome, nur Firefox bleibt hinter dem dicht gedrängten Feld zurück. Dieses Ergebnis ließ sich bei den anderen Tests jedoch nicht stützen: Bei V8 und SlickSpeed siegt Chrome, bei Peacekeeper Opera und bei Speed-Battle Safari. IE9 PP7 liegt bei V8, SlickSpeed und Peacekeeper jeweils auf dem vorletzten Platz vor Firefox (dessen Version 4 eine weiter optimierte JavaScript-Engine mitbringen wird). Allerdings liegen die Resultate dicht beisammen; die aktuelle Platform Preview bringt durchgehend Verbesserungen gegenüber der Beta.

Die Schlussfolgerung kann nur lauten: Eine eindeutig schnellste JavaScript-Engine gibt es derzeit nicht; alle aktuellen Browser mit Ausnahme des IE8 und vielleicht von Firefox 3.x schlagen sich sehr gut. Microsoft weist im IEBlog mehrmals darauf hin, dass JavaScript-Geschwindigkeit nur ein kleiner Aspekt der Browser-Performance sei und dass Tests wie SunSpider "nicht sehr nützlich und schlimmstenfalls irreführend" seien. Ähnlich unzufrieden mit den Benchmarks äußerte sich kürzlich übrigens auch Mozillas Chefentwickler Brendan Eich im Heise-Interview. (heb)

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