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Browser-Plug-ins auf dem Rückzug

Nachdem Browser-Plug-ins kaum noch eine Rolle spielen, will Google ab April in Chrome deren Unterstützung beenden - was nicht jeder richtig findet.

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Nur noch einer von 27 Chrome-Anwendern stolpert im Lauf eines Monats über ein Java-Applet. Auch bei Silverlight, den Video-Chat-Plug-ins Google Talk und Facebook Video oder der Spiele-Engine Unity zeigt die Nutzungskurve steil nach unten, meldet Google in seinem Zwischenfazit beim Kampf gegen die alte Browser-Plug-in-Schnittstelle NPAPI.

Noch führt Chrome die genannten Plug-ins (außer Java) per Default aus, doch ab Januar werden auch sie nur noch nach Aktivierung durch den Nutzer laufen – und ab April gar nicht mehr. Ein letztes Schlupfloch, das Flag enable-npapi, will Google im September 2015 schließen. Unter Linux ist bereits Schluss, auf dem Mac dürften wegen der Umstellung auf 64 Bit nur noch wenige NPAPI-Plug-ins laufen.

Durch die dramatischen Verbesserungen bei JavaScript und CSS wurden klassische Plug-ins zu einem nahezu überflüssigen Relikt. NPAPI macht es unmöglich, Plug-ins halbwegs sicher in einer Sandbox auszuführen oder wie in modernen Browsern direkt die GPU anzusprechen, um Performance-Reserven aus der Hardware herauszukitzeln. Google zitiert außerdem häufige Abstürze als Problem.

Auch Mozilla kann NPAPI nicht mehr leiden. Bis auf eine kurze Liste deaktiviert Firefox seit Version 30 alle Plug-ins per Default. Diverse veraltete Plug-ins landeten auf einer Sperrliste, darunter abgelaufene Versionen von Java, Quicktime oder Flash. Ursprünglich war sogar vorgesehen, außer Flash alles auf "Click to play" zu setzen. Für PDF, das nach Flash einst wichtigste Einsatzgebiet für Plug-ins, hat Firefox ebenso wie Chrome einen Reader integriert.

Über das gemeinsame Feindbild hinaus sind sich Google und Mozilla jedoch nicht einig. Während Mozilla sich bisher mit der Erbsünde NPAPI abfindet und eher sanften Druck auf die Entwickler ausübt, schlägt Google als Alternative eine verbesserte Schnittstelle namens Pepper (PPAPI) vor. Diese kommt bereits seit zwei Jahren zum Einsatz, um das noch unverzichtbare Flash anzusprechen. Mozilla ist an PPAPI aber nicht interessiert.

Und noch hat NPAPI Freunde. "Frustrierend, erzürnend und beängstigend geringschätzend für die Innovation, die Plug-ins im Web ermöglichen", nennt das Open-Source-Projekt FireBreath die Pläne Googles. FireBreath entwickelt ein Framework für Browser-Plug-ins und kritisiert, dass es keinen brauchbaren Ersatz für NPAPI gebe: PPAPI erlaubt nämlich Nutzern nicht, Plug-ins auf komfortable Art zu installieren.

Plug-ins debütierten 1996 in Netscape Navigator 2 und sind mithin so alt wie JavaScript und Cookies. Auch wenn das "N" in NPAPI für Netscape steht, stammt die Technik maßgeblich von Adobe: Dort suchte man neue Einsatzgebiete für PDF und erweiterte kurzerhand den Browser per Reverse Engineering. Microsofts Internet Explorer unterstützt aus Sicherheitsgründen seit mehr als zehn Jahren keine NPAPI-Plug-ins mehr und setzt stattdessen ganz auf die hauseigene ActiveX-Technologie – hat damit aber ähnliche Probleme. (Herbert Braun) / (jo)

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