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Brüssel: Angst vor hohen Kosten bremst mobile Internetnutzung

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Auf dem Papier sind die Bürger der Europäischen Union gut vernetzt: Die meisten EU-Bewohner besitzen ein Handy und haben einen Festnetzanschluss zu Hause, mehr als zwei Drittel auch einen Internetzugang. Nur bei der mobilen Internetnutzung fluppt es nicht so richtig. Das geht aus einer EU-weiten Umfrage hervor, deren Ergebnisse die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel vorgestellt hat. Für die Erhebung wurden im Februar und März 26.786 Bürger in den damals 27 Mitgliedsstaaten befragt, in Deutschland waren es 1545 Befragte.

91 Prozent der Befragten gaben an, mindestens ein Handy zu besitzen, in vorherigen Umfragen waren es 89 Prozent (2011) und 87 Prozent (2009). Deutschland liegt mit 90 Prozent knapp unter dem EU-Wert. Im EU-Durchschnitt gab die Hälfte (49 Prozent) der Handybesitzer an, mit ihrem Mobiltelefon auch im Internet surfen zu können. In der Umfrage 2011 waren es nur 35 Prozent. Die Kommission will der Entwicklung unter die Arme greifen und macht unter anderem in der Frequenzpolitik Druck.

Die Internetnutzung auf dem Handy will die EU-Kommission gezielt fördern und die Preisschraube nach unten drehen.

(Bild: EU-Kommission)

Am weitesten verbreitet ist der Internetzugang per Mobiltelefon in Schweden (71 Prozent), Dänemark (68 Prozent) und im Vereinigten Königreich (65 Prozent), Schlusslichter sind Portugal (26 Prozent), Rumänien (25 Prozent) und Bulgarien (20 Prozent). Deutschland liegt mit 43 Prozent der befragten Handybesitzer im Mittelfeld. 39 Prozent der befragten Deutschen gaben darüber hinaus an, einen Mobilfunktarif mit Internetzugang zu nutzen.

In Ländern mit einem geringen Verbreitungsgrad von Smartphones beschränken Handybesitzer laut Angaben der Kommission ihre Internetnutzung, weil sie hohe Kosten befürchten. Die für die Digitale Agenda zuständige Vizepräsidentin der Kommission, Neelie Kroes, sieht daher noch Spielraum für Verbesserung. "Die Erwartungen der Verbraucher zu erschwinglichen Preisen zu erfüllen, ist eines der Ziele des Pakets ‚Vernetzter Kontinent’, das die Kommission im September vorstellen wird“, sagte Kroes.

Bei der Verbreitung von Breitband-Anschlüssen liegt Deutschland im EU-Mittelfeld.

(Bild: EU-Kommission)

Gut zwei Drittel (68 Prozent) der EU-Bürger haben einen Internetzugang zu Hause, die meisten (61 Prozent) einen Breitbandzugang. 2011 hatten nur 56 Prozent der Befragten angegeben, einen Breitbandzugang zu haben. 39 Prozent der Befragten nutzen einen ADSL-Zugang, 12 Prozent sind über TV-Kabel im Netz. 34 Prozent der Nutzer telefonieren auch über das Internet (VoIP). In Deutschland haben 69 Prozent der Haushalte einen Internetzugang; 56 Prozent einen Breitbandanschluss.

Während die Handy-Durchdringung in der EU auf die 100-Prozent-Marke zusteuert, geht die Verbreitung von klassischen Festnetzanschlüssen langsam zurück. 70 Prozent der befragten EU-Bürger gaben an, einen Festnetzanschluss im Haushalt zu haben. In vorherigen Umfragen waren es noch 71 Prozent (2011) beziehungsweise 73 Prozent (2009). In Deutschland haben 86 Prozent der Befragten einen klassischen Telefonanschluss, 2009 waren es noch 89 Prozent.

Der EU-Kommission sind auch die Preise für Festnetz in Deutschland zu hoch, sie streitet mit der Bundesnetzagentur wie beim Mobilfunk um die richtige Berechnung der Terminierungsentgelte. (vbr)