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Brüssel droht Microsoft mit Zwangsgeldern

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Dem Software-Konzern Microsoft droht ein Zwangsgeld durch die Europäische Union. Wie ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes dem Handelsblatt sagte, ist zwischen der Brüsseler Behörde und dem US-Unternehmen ein Konflikt über die Umsetzung der jüngsten Kartellentscheidung der EU ausgebrochen.

Microsoft muss nach der Entscheidung der EU-Kommission im Kartellverfahren unter anderem das Betriebssystem Windows in Europa auch ohne den Media Player anbieten. Dies hatte die Generaldirektion Wettbewerb noch unter dem damaligen Kommissar Mario Monti im Mai 2004 festgelegt. Die Auflagen wurden kurz vor Weihnachten durch das Europäische Gericht erster Instanz bestätigt.

Jetzt verhandeln Microsoft und die Kommission über die Ausgestaltung einer entbündelten Windows-Version. Microsoft hatte der Brüsseler Wettbewerbsbehörde zugesagt, den Sanktionen innerhalb von sechs Wochen zu entsprechen. Diese Frist läuft in der nächsten Woche ab.

Aus Wettbewerbskreisen hieß es, der Streit drehe sich um den Versuch von Microsoft, das neue Produkt "diskriminierend zu gestalten". Offenbar sollten die Verbraucher vom Kauf der entbündelten Version abgehalten werden. "Wenn wir nicht in absehbarer Zeit ein Ergebnis erzielen, droht ein Zwangsgeld", sagte Kroes' Sprecher. Die Buße werde so ausfallen, "dass sie weh tut". Microsoft wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Seit dem 19. Januar vertreibt Microsoft eine Windows-Version ohne Mediaplayer. Sie enthält keinerlei Medienabspiel-Funktion, auch eine einfache CD kann man damit nicht abspielen. Für solche Funktionen ebenso wie für das Abspielen von Audio- oder Video-Dateien muss sich der Nutzer also zusätzliche Software besorgen. Die abgespeckte Windows-Version kostet laut Microsoft-Manager Cremerius-Günther das Gleiche wie die übliche Version; man bekomme also weniger für das gleiche Geld. Microsoft folge zwar den EU-Auflagen, glaube aber nicht an einen Markterfolg der Windows-Version ohne Medienabspielfunktion und werde sie "sehr konservativ vermarkten", erklärte Cremerius-Günther bei der Ankündigung der Windows-Version ohne Media Player. (tol)