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Buchbranche: Amazon vor der Brust, E-Books und Autoren im Kopf

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Die deutsche Buchbranche befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Die Entwicklungen spiegelten sich auf der am Sonntag endenden Leipziger Buchmesse wider, wo sich knapp 2.100 Aussteller präsentierten. Drei Themen bestimmten die Messehallen: Die Marktmacht von Amazon, die Entwicklung des Buches in der digitalen Welt und der Trend zum Self Publishing.

Das meistdiskutierte Unternehmen in Leipzig war gar nicht mit eigenem Stand vertreten. Amazon blieb der Buchmesse erneut fern, bestimmte aber etliche Diskussionen. Schon zur Eröffnung warnte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins, vor einer „Monopolisierung der Buchkultur".

Leipziger Buchmesse 2013.

(Bild: Johannes Haupt)

Die Diskussion über die Arbeitsbedingungen bei Amazon gelte es zur Stärkung des stationären Buchhandels zu nutzen. Zur Buchmesse startete die Kampagne „Vorsicht Buch", die für den Offline-Buchkauf wirbt .

Wie sieht das Buch der Zukunft aus?

Der E-Book-Markt boomt. Gleichzeitig entstehen neue Buchformen: Auf Tablets wird Literatur immer häufiger multimedial angereichert. Die Frage, wie das Buch der Zukunft aussieht, wurde in einer vielbeachteten Podiumsdiskussion dann aber erstaunlich konventionell beantwortet.

Für den Heidelberger Literaturprofessor Roland Reuß ist schon ein Buch ohne Fadenheftung „kastriert". Das perfekte Buch in 20 Jahren ist für ihn auf gutes Papier gedruckt und hochwertig gebunden. Die Autorin und Buchgestalterin Judith Schalansky betonte, ein Buch sei mehr als ein Träger für Text: „Wir nehmen Inhalt und Form wahr, nicht nur Text." E-Books seien Gleichmacherei und ein schlechtes Substitut für bedrucktes Papier. Bücher würden immer schöner und besser, sagte sie – und meinte damit nur Print.

Auch der neue Chef des Hanser-Verlags Jo Lendle nannte heutige E-Books einen „Abklatsch" von Print-Büchern. Das E-Book sei eine junge Form, die sich noch extrem entwickeln müsse. Schon heute dränge und rüttele das E-Book aber und pushe damit auch das gedruckte Buch nach vorne.

Die Autorin Kathrin Passig warf ein, das heutige Buch als Format sei nur dann perfekt, wenn man es an buchspezifischen Kriterien messe. E-Books entwickelten bereits Tentakel in Richtungen wie Online-Lexika und sozialer Austausch, die das Leseerlebnis bereicherten.

Publizieren ohne klassischen Verlag: Auf der Messe präsentierten sich Dienstleister für Autoren.

(Bild: Johannes Haupt)

Self Publishing bedroht Verlagsgeschäft

Immer mehr Autoren publizieren ihre Bücher ohne die Hilfe konventioneller Verlage – und erreichen teilweise große Verkaufserfolge. Zur Buchmesse gab Amazon bekannt, 52 der 100 meistverkauften deutschen Kindle-Books des Jahres 2012 seien von Autoren via Kindle Direct Publishing eingereicht worden. Der meistverkaufte Kindle-Direct-Titel, "Der 7. Tag" von Nika Lubitsch, liege auf Platz 2 der Jahres-Bestsellerliste aller Kindle-Books. Lubitsch habe das Buch vor 13 Jahren geschrieben und vergeblich versucht, einen Verlag für das Buch zu finden.

Zahlreiche Aussteller auf der Buchmesse offerieren Dienstleistungen für Self-Publisher – von der bloßen Auslieferung an Händler bis zu optionalen Dienstleistungen wie Lektorat und Marketing. Verlage stehen vor der Herausforderung, gute Autoren früh zu entdecken und für sich zu gewinnen. Konzepte dafür will der Börsenverein auf seiner neuen Plattform Innovation Prototype erarbeiten. (cwo)

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