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Buchdruck für Jedermann

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Ob Roman, Gedichtband, Sachbuch oder Diplom-Arbeit: Wer der Welt etwas schwarz auf weiß zwischen zwei Buchdeckeln mitteilen möchte, hat es heute nicht mehr schwer, dieses zu veröffentlichen. Spezielle Dienstleister-Verlage gewähren prinzipiell jedem Autoren Zugang zum Büchermarkt. Gedruckt wird immer erst dann, wenn ein Kunde ein Exemplar bestellt. "Book on Demand" heißt dieses Konzept. Einen Bestseller garantiert es aber nicht.

"Dank des günstigen Digitaldruckverfahrens rechnet sich prinzipiell bereits die Herstellung nur eines Exemplars", zieht die Redaktion von c't ein Fazit. Da sich ein Buch auf diese Weise immer nachdrucken lässt, ist es praktisch nie vergriffen. Es fallen keine Lagerkosten an, und kein Kapital wird unnötig an auf Halde liegenden Büchern gebunden. Allerdings sind die Stückkosten zum Teil dennoch höher als bei Großauflagen.

Der nach eigenen Angaben hierzulande größte Anbieter ist BoD mit Sitz in Norderstedt bei Hamburg, der zum Buch-Grossisten und Online-Buchhändler Libri gehört. Verschiedene Tarife stehen zur Auswahl: Bei der "Classic"-Variante zahlen Autoren je Titel einmalig 39 Euro dafür, dass ihr Werk mit einer eigenen ISBN im Buchhandel verfügbar ist. Für das Vorhalten der Druckdaten kommen monatlich zwei Euro hinzu. Titelgestaltung, Satz, Einbandauswahl und weiteres erledigen die Autoren per Online-Zugang auf der BoD-Seite selbst. Mit Hilfe eines Preisrechners entscheiden sie, was ihr Buch kosten soll. Die Herstellungskosten sind vorgegeben.

Beim "Fun"-Tarif fällt hingegen keine Grundgebühr an. Dafür wird auf einen Buchhandelsanschluss verzichtet. Dieses Angebot richtet sich laut BoD an Kunden, die zum Beispiel für Freunde ein Fotoalbum, eine Hochzeitszeitung oder eine Jubiläumsschrift für einen Verein erstellen wollen. Für professionellere Ansprüche ist der "Comfort"-Tarif gedacht. Er kostet 399 Euro pro Werk und umfasst zusätzliche Beratung durch einen Autorenbetreuer. Optional kümmern sich BoD-Mitarbeiter um Layout, Lektorat oder Werbeaktionen. Dafür werden jedoch bis zu mehrere Tausend Euro veranschlagt, die der Autor selbst zahlen muss.

Das Niveau der Werke spielt keine Rolle. "Wir filtern grundsätzlich nicht nach Qualität der Inhalte", erklärt BoD-Sprecherin Friederike Künzel. Das Unternehmen lehnt nur solche Werke ab, die nachweislich illegales Gedankengut bergen. Das Vorbereiten des Manuskripts fordere vom Anwender keine überragenden Computer-Kenntnisse, meint man in der c't-Redaktion, die sich den Anbieter BoD genauer angeschaut hat. Es müsse lediglich eine PDF-Datei hochgeladen werden, die bestimmte Formatvorgaben zwingend einhält – eine Gratis-Software von BoD hilft dabei. Allerdings empfehle sich für eine anspruchsvolle Buchgestaltung ein zusätzliches DTP-Programm wie etwa das kostenlose Scribus.

Weitere Anbieter, bei denen Autoren in Eigenregie publizieren können, sind Lulu, Shaker Media, Printyourbook oder der Dienst Ruckzuckbuch. Auch die Buchhandelskette Lehmanns betreibt im Netz einen Dienst für Printing-on-demand. Einige Anbieter sind dem Anschein nach zuverlässiger als andere, zudem schwankt die Lieferfrist der Bücher zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen. Darauf dass sie ihre eigenen Urheberrechte nicht aus der Hand geben, sollten Autoren ebenfalls achten. Eine Orientierungshilfe bieten Erfahrungsberichte auf der Site "Wege zum Buch".

Ein Vergleich lohne sich, sagt Manfred Plinke aus Berlin, von dem das an Autoren und Selbstverleger gerichtete Ratgeberbuch "Mini-Verlag" stammt. "Kosten und Serviceumfang unterscheiden sich zum Teil stark", erklärt der Kleinverleger aus Berlin. Er empfiehlt zudem, alternativ zu Internet-Dienstleistern auch Digitaldruckereien, die es in jeder größeren Stadt gebe, in den Vergleich mit einzubeziehen. Auch sie böten Leistungen wie eine ISBN an.

Doch ohne zusätzliche Mühe besteht für ehrgeizige Autoren auch beim Book-on-Demand-Konzept kaum Aussicht auf Erfolg. "Viele Autoren vernachlässigen, dass die Vermarktung ebenfalls an ihnen hängen bleibt", gibt Plinke zu bedenken. Über die Medien auf sich aufmerksam zu machen oder Geld für Profi-Werbetrommler auszugeben, heißt dann die Losung. "Es gibt ein paar Erfolgsgeschichten, die von Verlagsseite gern hervorgehoben werden." Man dürfe sich aber nicht darauf versteifen, als Selbstverleger reich zu werden.

Ansehen in der Autoren-Szene garantiert ein in Eigenregie publiziertes Werk zudem längst nicht. So verweigert der Verband deutscher Schriftsteller (VdS), ein Bestandteil der Gewerkschaft ver.di, Autoren die Vollmitgliedschaft, die bislang noch nicht bei einem klassischen Verlag publiziert haben. Seit Jüngerem erhalten Autoren, die ihr Potenzial belegen, zumindest einen vorläufigen Kandidatenstatus und dürfen etwa an Sitzungen teilnehmen, heißt es beim VdS in Berlin. (Berti Kolbow, dpa) / (jk)

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