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Buchhandel will Raubkopierer von E-Books verklagen

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Zur Einführung der elektronischen Bücher hat der deutsche Buchhandel massenhaft Klagen gegen Raubkopierer angekündigt. "Wir werden in aller Schärfe gegen den illegalen Download, gegen den Diebstahl im Internet, vorgehen und die Gerichte mit Tausenden von Verfahren beschäftigen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, gegenüber dpa. Zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse meinte Skipsis, die Politik zwinge die Buchbranche zu diesem Schritt: Sie neige zur Bagatellisierung dieses "organisierten Verbrechens".

Unter der Überschrift "Raubkopierer im Netz warnen, nicht strafen" verbreitete der Börsenverein dazu auch eine Erklärung, in der er betonte, man entwickle ein "Konzept für zivilisiertes Internet". Der Verband plädiere für ein politisches Signal und ein Kooperationsmodell mit Internet-Providern. Ein "Warnverfahren, das Rechtsverletzer aufklärt und abschreckt, bevor es zu einer gerichtlichen Abmahnung kommt, wäre uns weitaus lieber", betonte Skipis. "Dafür ist aber die Kooperationsbereitschaft der Internet-Service-Provider erforderlich, die sich bislang einer solchen Zusammenarbeit verweigern." Effektiv sei auch die Sperre des Internetzugangs für einen bestimmten Zeitraum. Untersuchungen in anderen Ländern hätten ergeben, dass 80 Prozent der Bestraften das Raubkopieren dann bleiben lassen.

Um die Internetnutzer, die sich strafbar machen, ausfindig zu machen, solle jedenfalls "der Auskunftsanspruch auf den konkreten Namen des illegalen Down- oder Uploaders" genutzt werden, sagte der Börsenverein-Geschäftsführer. Bevor ein Strafverfahren eingeleitet wird, solle der Nutzer ein oder zwei Verwarnungen per E-Mail erhalten. Wenn er dann immer noch Bücher illegal aus dem Internet herunterlade, bleibe nur die Klage.

Die Dimension der Raubkopie von Musik, die im Geschäftsjahr 2004/05 etwa sechs Milliarden Euro Schaden angerichtete habe, solle sich bei den Büchern nicht wiederholen, sagte Skipis weiter. "Wir können momentan noch nicht sagen, wie viel Schaden das anrichtet. Für uns geht es aber schon jetzt in die Millionen. Unsere Branche spürt das." Kleine und mittlere Wissenschaftsverlage würden vom Markt verschwinden. "Wenn ein Verlag stirbt, wird es auch das kulturelle Angebot nicht mehr geben. Das hat eine gesellschaftliche Relevanz, die leider bei der Politik nicht angekommen ist."

Zur Legalisierung des Herunterladens von E-Books setzt der Buchhandel auf die zentrale Online-Plattform libreka!. "Wer da nicht dabei ist, hat das Rennen verloren", sagte Skipis. "Möglicherweise steht unsere Branche vor einem Umbruch, so wie Gutenberg es vor über 500 Jahren angerichtet hat."

Siehe dazu auch:

(jk)

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