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Buchindustrie: Piraten machen E-Book-Markt kaputt

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800.000 deutsche Internetnutzer haben sich im Jahr 2010 illegal E-Books heruntergeladen, knapp die Hälfte aller E-Book-Leser (1,9 Millionen). Das behauptet zumindest die DCN-Studie (PDF-Datei), eine von GVU , Musikindustrie und Börsenverein des deutschen Buchhandels in Auftrag gegebene Erhebung. Durchschnittlich 18 digitale Bücher soll jeder "Raubkopierer" im Jahr 2010 unrechtmäßig bezogen haben. In Summe sollen mehr E-Books illegal als legal heruntergeladen worden sein.

Die hier angelegte Definition für illegale Downloads ist allerdings zweifelhaft. Laut Fußnote wurden alle Downloads, die "von Tauschbörsen, Sharehostern, privaten Websites, Blogs, Foren, ftp-Servern und Newsgroups" durchgeführt wurden, pauschal als illegal deklariert. Illegal im Sinne der DCN-Studie war damit auch der Bezug eines der Millionen gemeinfreien oder kostenlos angebotenen Titel über diese Kanäle.

Insgesamt 1,9 Millionen deutsche Internetnutzer sollen im Jahr 2010 E-Books heruntergeladen haben, so ein weiteres Ergebnis der von der GfK durchgeführten Studie. Für fünf Millionen E-Books soll im Jahr 2010 Geld bezahlt worden sein. Eine im März ebenfalls vom Börsenverein in Auftrag gegebene und ebenfalls von der GfK durchgeführte Studie sprach dagegen noch von 2 Millionen kommerziellen E-Book-Downloads im Jahr 2010. Ein GfK-Sprecher erklärte auf Anfrage von heise online, man vermute, die Diskrepanz sei auf die im März nicht mit erhobenen Fach- und Sachbücher zurückzuführen.

Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, verwies in der Pressemeldung zur Studie (illustriert mit einem Creative-Commons-Foto) am Dienstag darauf, dass Verband und Verlage ihre Hausaufgaben gemacht hätten. "Eine gute Angebotsstruktur schützt in keiner Branche vor illegalen Downloads: Obwohl es zum Beispiel auch auf dem noch jungen E-Book-Markt von Anfang an große und bekannte legale Download-Angebote wie beispielsweise das Branchenportal libreka! gibt, haben die Nutzer sich über die Hälfte aller heruntergeladenen E-Books illegal beschafft. Das zeigt, wie hoch das Gefährdungspotenzial für die Rechteinhaber ist." Die Forderung an die Verlage, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, nennt der Hauptgeschäftsführer "nichts anderes als ein billiges Ablenkungsmanöver".

Das nach Angaben von Skipis "große und bekannte" Angebot Libreka – betrieben vom Börsenverein selbst – hat sich allerdings schon vor einem Jahr weitgehend aus dem Endkundengeschäft verabschiedet. Bereits zuvor war die Plattform im Kundenbewusstsein praktisch nicht präsent: Im Zeitraum zwischen 2006 und 2010 setzte Libreka nach eigenen Angaben mit dem Verkauf von E-Books weniger als 30.000 Euro um. Ein Grund für das schlechte Geschäft waren äußerst zögerliche Digitalisierungsbemühungen der Buchverlage, was auch seitens der Libreka-Betreiber mehrfach angemahnt wurde.

81 Prozent aller Downloader von Inhalten, die in der Studie als illegal bezeichnet werden, schlossen sich der Vermutung an, "Raubkopierer" würden nach der Anzeige von Warnhinweisen von ihrem Treiben ablassen. Ein großer Teil der Befragten ist sich darüber im Klaren, welche Medienverbreitungswege illegal sind. Die Auftraggeber der Studie interpretieren dieses "Unrechtsbewusstsein" als "klare Handlungsanweisung an den Gesetzgeber". Gefordert wird einmal mehr die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung sowie der Versand von Warnhinweisen an Urheberrechtsverletzer. (jh)

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